Oldenburger STACHEL Ausgabe 6/98     Seite 10
 
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Inhalt dieser Ausgabe
 

Die Themen:


Schwierige Erinnerungen

Ein Symposium unter dem Titel "Über den Umgang mit schwierigen Erinnerungen" findet am 26. Juni ab 14 Uhr an der Universität Oldenburg statt. Zum Thema: Die in den Medien kontrovers geführte Debatte um das zentrale "Denkmal für die ermordeten Juden Europas" in Berlin hat erneut die Frage aktualisiert, wie wir mit den Hinterlassenschaften und Spuren der Vernichtung von Menschen und Kultur im Nationalsozialismus umgehen. Kaum eine Stadt in der nicht irgendwelche Überreste zu finden sind und den, der erinnern will, an die in die Geschichte unauslöschlich eingeschriebenen Verbrechen gemahnen. Häufig jedoch sind die Spuren überdeckt - von Neubauten der Nachkriegszeit und von anderen Erinnerungen. Wo früher eine Synagoge stand, erinnert häufig nur noch ein karger Gedenkstein an die Geschicht einer ehemals lebendigen jüdischen Gemeinde. Wo früher KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter in großer Zahl zusammengetrieb en wurden, erinnern bisweilen nur noch Zeugen aus Beton, Bunker, in denen Deutsche vor den Bombenangriffen der Alliierten Schutz suchen konnten und mit denen sie Erinnerungen eigener bedrohung verbinden.

Im Symposium soll versucht werden, eine Verbindung herzustellen zwischen stadt- und architekturgeschichtlichen Perspektiven und künstlerischen Projekten im öffentlichen Raum, die sich der Geschichte des Holocaust widmen. Zwei Künstlerinnen, ein Kunsthistoriker und eine Ausstellungsmacherin stellen ihre Arbeit an der Erinnerung zur Diskussion. Anmeldungen an Prof. Dr. S. Wenk, FB2, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.


Gesprächskreis für Trauernde

Bei der Beratungs- und Koordinierungsstelle für Selbsthilfegruppen (BeKoS) e.V. hat sich ein Gesprächskreis für Trauernde Menschen gebildet. In dieser Selbsthilfegruppe sollen Betroffene, die einen nahestehenden Menschen durch Tod verloren haben, die Möglichkeit erhalten, sich mit anderen Trauernden auszutauschen und sich gegenseitig zu ubterstützen. Weitere Informationen erhalten Sie über die BeKoS unter Tel. 884848


Projekt Patchwork

Im Sommer `97 machten sich Menschen aus verschiedenen Gruppen sozialer Bewegung an die Arbeit, ein neues Projekt zu gründen: Patchwork. Ziel der Arbeit ist "Social Empowerment", also Menschen darin zu bestärken, die eigene Macht zu erkennen und für die eigenen Interessen in Politik und Alltag aktiv zu werden. Seeit Anfang 1998 hat Patchwork seine Arbeit aufgenommen und u.a. Seminare durchgeführt. Aus Anlaß der ersten Mitgliederversammlung des Trägervereins von Patchwork, des Vereins zur Förderung demokratischer Selbstorganisation e.V., die am 13. Juli um 16 Uhr in den Räumen von Patchwork in der Kaiserstraße 24 in Oldenburg stattfinden wird, wird Patchwork seine Arbeit im Rahmen einer Abendveranstaltung im PFL vorstellen. Der Titel der Veranstaltung, Machtlosigkeit überwinden - die Verhältnisse zum Tanzen bringen! spiegelt die wesentlichen Aspekte des "Social Empowerment" wieder. In der Veranstaltung, die um 20 Uhr beginnen wird, wird das Konzept des "Social Empowerment" und seine Bedeutung für die Arbeit sozialer Bewegungen vorgestellt werden.


Photoaktion Lesben

Der "Arbeitskreis Verständnis zwischen den Menschen" wurde gegründet, um mit Hilfe von Postkarten und Plakaten eine Öffentlichkeit anzusprechen, die auch heute noch lesbische Frauen diskriminiert. Ein Faktor der Diskriminierung ist das Verschweigen der lesbischen Existenz durch die Gesellschaft und die Lesben selbst. Durch die Photoaktion Lesben soll der Versuch unternommen werden, die Menschen zu mehr Aufgeschlossenheit und Toleranz gegenüber Homosexuellen im allgemeinen und lesbischen Frauen im besonderen zu bewegen. Durch die Aktion soll gezeigt werden, daß Lesben nicht zwangsläufig den herkömmlichen Klischees entsprechen, und daß sie Frauen sind, die ihr Leben positiv gestalten und bewältigen können. Ein weiteres wichtiges Ziel ist es, lesbische Frauen zu ermutigen aus ihrer Zurückgezogenheit herauszutreten, offen zu leben und für ihre Belange einzutreten. Im ersten Anlauf entstand initiiert durch den Verein NA UND e.V. eine Postkartenserie mit acht verschiedenen Motiven. Anfang des Jahres übernahm der Arbeitskreis dann die Gestaltung und Verteilung der Plakate. Adresse: Arbeitskreis zwischen den Menschen, c/o M. Faber/ M. Außerbauer, Vordermöhlen 15, 26129 Oldenburg


Ökumenisches Zentrum

Der Verein Ökumenisches Zentrum Oldenburg e.V. hat in der kleinen Kirchstraße in Oldenburg einen Weltladen mit Büro eröffnet. Neben Informationsmaterial zu gesellschaftlichen Problemen bietet das Zentrum Tee, Kaffe und andere fair gehandelte und ökölogisch hergestellte Waren aus Afrika, Hilfe und Mitarbeit bei der Durchführung von Informations- und Seminarveranstaltungen und Vermittlung von Kontakten zu Initiativen und Organisationen, die sich die partnerschaftliche Begegnung zwischen Menschen verschiedener Länder und Kulturen bei uns und in der sogenannten Dritten Welt zum Ziel gesetzt haben.


Jeder Mensch hat Macht!

ist ein Begriff, der im Bereich psycho sozialer Arbeit in anglo-amerikanischen Ländern geprägt wurde und die grundsätzliche Haltung ausdrückt "Macht bei anderen zu wecken"im Gegensatz zu klassischen "Hilfe- Konzepten". Genauso aber gehört es zum alltäglichen Sprachgebrauch und bedeutet stärker oder handlungsfähig werden.

Für Individuen heiß Empowerment sich der eigenen Handlungsmöglichkeiten bewußt zu werden und Situationen selbst zu gestalten. In Gruppen und Organisationen finden Empowermentprozesse statt, wenn Kompetenzen der einzelnen wahrgenommen werden, ohne Hierarchien gearbeitet wird und die einzelnen soziale sowie organisatorische Fähigkeiten entwickeln können. Gesellschaftlicher Fortschritt entsteht nach dem Konzept des Empowerment durch Veränderung von unten.

Ein wichtiger Ort, an dem Empowermentprozesse ablaufen sind soziale Bewegungen.

Wer/welche mehr über diese Strategie zur Überwindung von Machtlosigkeit wissen will, dem/der sei die Veranstaltung zu Empowerment von Patchwork am Montag, dem 13. Juli, um 20 Uhr im Kulturzentrum PFL, in der Peterstraße empfohlen.


Anders, nicht artig

Die Geschichte des Cristopher-Street-Day (CSD) begann 1969 in der gleichnamigen Straße in New York, in einer Zeit, in der äußerst brutale Polizeirazzien in schwulen Kneipen an der Tagesordnung waren. Eine Razzia im "Stonewall Inn" brachte das Faß zum überlaufen: Schwule und Lesben setzten sich zum ersten Mal zur Wehr und fingen an, für ihre rechte zu Kämpfen.

In bundesdeutschen Großstädten seit Ende der 70er Jahre zur Tradition lesbischwuler Kultur gehörend, zog die "Szene" in Oldenburg zum ersten Mal 1995 mit einer bunten Parade durch die Innenstadt - nicht nur, um zu feiern, sondern auch, um gerade hier, in der nordwest-deutschen Provinz, Präsenz zu zeigen, sich gegen Diskriminierung und für gleiche Rechte einzusetzen.

"Liebe ist ... anders, nicht artig!" - so lautet das diesjährige Motto. Am Fr., 26.6., nach der Nacht der kleinen Künste, gibt's die Pre-CSD-Party in der Kulturetage, und am 27. geht um 13Uhr vom Bahnhofsplatz die Parade mit Motorradkorso los. Infos über viele weitere Veranstaltungen können z.B. beim Na Und e.V., Ziegelofstr.83, Tel. 777523, erfragt werden.


Falsche Anrede

Im letzten STACHEL ist uns ein protokollarisc her Fehler unterlaufen: Die korrekte Anrede für den Dalai Lama (auf S. 16 lautet "Seine Heiligkeit", abgekürzt S.H. (verflixte Abkürzungen. Sorry about that!


Müllverbrennung: Dioxine in Fleisch

In französischem Fleisch sind hohe Werte an krebserregenden Dioxinen nachgewiesen worden. Wie die Umweltorganisation CNIID Ende Mai in Paris mitteilte, befand sich in Produkten aus mehreren Pariser Supermärkten so hohe Dioxin- Werte, daß sie sowohl für Kinder als auch für Erwachsene gefährlich seien. Bisher wurden nur Milch und Milchprodukte auf erhöhte Dioxin-Werte untersucht. Verantwortlich für diese Dioxinverseuchung sind in erster Linie Müllverbrennungsanlagen, die große Mengen an Dioxinen ausstoßen. Umweltorganisationen haben wiederholt gefordert, diese Müllverbrennungsanlagen stillzulegen.


Antibiotika-Resistenz?

Greenpeace warnt vor franz. Gen-Mais

Der in Frankreich für den Anbau vorgesehene genmanipulierte Mais gefährdet nach Ansicht von Greenpeace auch hiesige VerbraucherInnen. Eine Studie des Freiburger Öko-Instituts habe ergeben, daß die in die Pflanzen eingebaute Unempfindlichkeit gegen Antibiotika auf den M enschen übertragen werden könne, teilte Greenpeace-Hamburg mit. Da der derart veränderte Mais vermutlich nicht gekennzeichnet werde, könnte er auch in Deutschland verkauft werden. Die Pharmafirma Novartis setze durch ihren in diesen Wochen zur Aussaat vorgeseehenen Gen-Mais einen gefährlichen Resistenz-Wettlauf in Gang. Die massenhafte Verbreitung von Resistenz-Genen mache wichtige Medikamente unwirksam.


Endspurt

In den letzten Sitzungswochen soll der Bundestag, wenn es nach den Wünschen von Innenminister Kanther geht, noch schnell Gesetze und Gesetzesverschärfungen beschließen, die eigentlich noch breit in der Öffentlichkeit diskutiert werden müßten. An erster Stelle steht ein "Gesetz zur Verbesserung der Grenzsicherheit". Weil in der EU Grenzen gefallen sind, sollen nun an allen deutschen Bahnhöfen neue Grenzen errichtet werden. Der Bundesgrenzschutz soll künftig jeden Menschen auf allen Bahnhöfen und in allen Zügen unabhängig von irgendeinem Verdacht anhalten, kontrollieren und durchsuchen dürfen. Desweiteren soll ein Gesetz zur Datenübermittlung zwischen Polizei und Sozialbehörden verabschiedet werden, um so den "Mißbrauch von Sozialleistungen" besser aufspüren zu können. Desweilen tüftelt das Schröder-Land Niedersachsen an einem nur leicht geänderten Gesetzesentwurf für den Bundesrat, der wieder die Streichung von allen sozialen Leistungen für abgelehnte AsylbewerberInnen und geduldete AusländerInnen vorsieht. Der letzte ähnliche Bundesratsbeschluß war im Bundestag von einzelnen Sozialdemokraten, von den Grünen und der FDP abgelehnt worden. Schöne Wahlaussichten...!


Rat unterstützt Initiative "Gentechnikfrei"

Der Oldenburger Rat folgte mit Mehrheit einem Beschluß des Umweltausschusses und sprach sich für die Unterstützung der Initiative "Gentechnikfrei aus Niedersachsen" aus, die ein Volksbegehren für die Kennzeichnung von gentechnikfreien Produkten anstrebt. Der Umweltausschuß war allerdings nicht dem Vorschlag der Verwaltung gefolgt, die Initiative auch mit einem finanziellen Zuschuß in Höhe von 500 DM zu unterstützen. Wegen der fehlenden Kontrollmöglichkeiten sei das vobn der Initiative vorgeschlagene Gütesiegel für gentechnikfreie Produkte "nicht das Gelbe vom Ei", so Ratsfrau Heike Bockmann (SPD). Die Verbraucher hätten aber ein Recht auf Kennzeichnung.

Für die Grünen sagte Hilmar Westholm, der Druck von unten über ein Volksbegehren sei notwendig. Auch die Kennzeichnung niedersächsischer Produkte ohne Gentechnik sei positiv. So könnten Lebensmittel aus der Region und kurze Transportwege beim Kauf bevorzugt werden.


Ratsmitglieder gegen Radioübertragung

Die Übertragung von öffentlichen Ratssitzungen im Offeenen Kanal ist nur möglich, wenn alle Ratsmitglieder dem zustimmen. Dies teilte Oberbürgermeister Poeschel während einer Ratssitzung mit. Einige Ratsmitglieder hätten sich, so Poeschel weiter, gegen eine solche Übertragung ausgesprochen. Welcher Fraktion diese Ratsmithlieder angehören, verriet er nicht.


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