Welche Frau hat diesen Spruch im Alltag noch nicht gehört, wenn sie den Videorekorder nicht bedienen, das Tretlager des Fahrrades nicht zusammenbauen oder die Sicherung nicht auswechseln kann? Es ist genauso wie "Frau und Logik" oder "Frau am Steuer" ein Stereotyp in dieser Männerwelt, das oft wiederholt wird, sich in Köpfen von Frauen und Männern festsetzt und auf viele Frauen eine blockierende Wirkung hat.
Die Koryphäe will diesen Stereotypen entgegenwirken. Die 17. Ausgabe mit dem Schwerpunkt "Frauen entwickeln Ökotechnik" stellt die vielseitige Herangehensweise von Frauen an Benutzung und Entwicklung von ökologisch orientierter Technik dar.
Claudia Igney, ursprünglich Diplomagraringenieurin, steigt von der Wissenschaft zur Käserei um. Sie schreibt in ihrem Artikel "Alles Käse...!?", wie sie die Biokäserei entdeckt, eine Jahrtausende alte Form von Ökotechnik, die in Europa fast ausschließlich im Aufgabenbereich von Frauen lag. Die Fülle von Umwandlungsprozessen vom Euter bis zum verkaufsreifen Produkt sind bis heute noch nicht vollständig naturwissenschaftlich verstanden. Claudia beschreibt ihr Vertrauen in die eigene Wahrnehmung bei der Herstellung: "Anfangs habe ich mich streng an das Rezept, die Bergkäse-Technologie, gehalten. Aber die richtigen Zeitpunkte und Handgriffe zu finden, um etwas Ganzes, Vollaromatisches zu komponieren, das funktioniert nicht nach Rezept. Es muß Intuition, ein gefühlsmäßiges Wissen werden - etwas, was jede/r KäserIn selbst im Tun und beobachten erwerben muß."
Die Koryphäe wendet sich in erster Linie an Frauen, die sich mit den Gebieten der Naturwissenschaft und Technik beschäftigen. Die Redakteurinnen bemühen sich jedoch um eine von Nicht-Fachfrauen verständliche Sprache. Die Vielseitigkeit der Schreib- und Sprachstile macht es abwechslungsreich, die Koryphäe zu lesen. Die Leserin merkt, daß hier nicht nur Wissenschaftlerinnen schreiben, die das Veröffentlichen gewohnt sind, sondern auch Frauen, die ihre Kenntnisse, Überzeugungen und persönlichen Erfahrungen an andere Frauen weitergeben wollen.
So ist zum Beispiel die ursprüngliche Maschinenbauerin Helga Berau in der Hochenergiephysik an der Freiburger Uni "Hängen geblieben" (Seite 17), statt in der Arbeitslosigkeit beim Fahrradanhängerbau. In dem Artikel "cool bleiben" (Seite 21) beschreibt Helga Lorenz ihren steinigen Ein-, Auf-, Aus- und Umstieg von einer Energieelektronikerin zur Monteurin für Windkraftanlagen. Aus ihren Erfahrungen zieht sie die Konsequenz, die sie als Rat an alle (arbeitslosen) Koryphäen-Leserinnen weitergibt: "Auf jeden Fall eine Ausbildung machen ... Ein dickes Fell und cool bleiben ist nötig. Du lernst viel und kannst was draus machen." (Seite 52).
Die Koryphäe bietet ihren Leserinnen neben solchen "Lebensweisheiten" vielseitige Tips und Anregungen: Die Fundgrube (Seite 44f) rät brotlosen Erfinderinnen, wie und wo sie Beratung und Förderung für ihre Patentanmeldungen bekommen, die Infoseiten (Seite 71ff) liefern aktuelle Veranstaltungsa nkündigungen und Adressen von bundesweiten Fraueninitiativen im Bereich Naturwissenschaft und Technik.
Die Zeitschrift ist bei Koryphäe e.V., Cloppenburger Straße 35, 26135 Oldenburg, Tel./Fax: 0441/2489599 für 10DM zu beziehen.
Koryphäe