Oldenburger STACHEL Nr. 9/95

Stachel-Feuilleton:

Cineasten feiern in Oldenburg

Samstag abend, 3. September 0.15 Uhr, Oldenburg: Im Innenhof der Kulturetage trifft sich mal wieder die "Szene", dieses Mal ist es die Szene der Cineasten zum Anlaß des II. Oldenburger Film-Fests.

Abgefahrene Typen führen leidenschaftliche Gespräche über "visuelle Filme" (O-Ton!) und amüsieren sich. Mittendrin stehe ich, meine Stimmung ist jedoch eher gedämpft: Gerade eben aus dem Tiefschlaf erwacht und in die Bahnhofstraße gehetzt, erfahre ich, daß "Vögel II" der Allen Smithee-Sonderreihe ausfällt (warum eigentlich?).

Das war aber nur eine der wenigen schlechten Erfahrungen der vier Festivaltage. Beeindruckend der Mut der Organisatoren, solch eine Vielzahl Filme von "Underdogs" zu präsentieren, die von vornherein auf keine vollbesetzten Säle hoffen lassen, dafür jedoch umso sehenswerter waren: z. B. "Gentleman" von Oskar Röhler (60 Minuten Splatter vom Feinsten mit herrlichen Dialogen), der japanische "Angel Dust" von Sogo Ishii, eine starke Variante des ewigen "Schweigen der Lämmer"-Themas, oder der packende "Headless Body in Topless Bar" des New Yorkers James Bruce.

Schade aber, daß sich in diese Vorstellungen fernab der Hauptfilme nur so wenige Interessierte verirrten, saßen doch nur maximal 15 Zuschauer in den genannten Vorstellungen. Dagegen mischte der mittelmäßige "Poison Ivy" der hochgelobten Katt Shea den großen Vorführraum des Casablancas auf. Beim komplett lachhaften "The Mystery of Rampo" (Regisseur: Kazuyoshi Okuyama) war das PFL gut gefüllt. Die größte Enttäuschung bedeutete für mich das maßlos schlechte Carpenter-Remake des Klassikers "Village of the Damned", während bei "Stripped to Kill II" (wiederum Katt Shea) wenigstens noch die lässige Art des Komissars für Belustigung sorgte. Außerdem erstaunte die hier unglaubliche Software der Cops, die alle Tatort-Komissare auf einen Schlag arbeitslos machen würde...

Es bleibt zu hoffen, daß T'n'T Eventures aus idealistischen und nicht aus kommerziellen Gründen das Festival betreiben! Denn nur so bleibt die große Auswahl an Filmen aus unterschiedlichsten Genres im Programm erhalten, deren Erscheinen sich so wohltuend von Sat1-Produktionen der Marke "Babyfon" oder Zeitgeistfilmen … la "Stadtgespräch", die doch immer im Kino laufen (oder wenigstens bald auf der Fernseh-Leinwand erscheinen), abhebt.

Es sind die Beiträge abseits des Mainstreams, die das Film-Fest ausmachen!

Besten Dank für viele unterhaltsame Stunden !

Tobias


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