Oldenburger STACHEL Nr. 9/95

"Ich möchte von Ihnen gesiezt werden!"

Arbeitskreis "Gewalt gegen ausländische Frauen" des KVs der AWO thematisiert Diskriminierung ausländischer Frauen in Oldenburg

"Beim Arzt oder auf Behörden werden wir einfach geduzt", berichten ausländische Frauen beim 1. Treffen des Arbeitskreises.

"Wir müssen oft länger warten als Deutsche, die Ärzte bemühen sich nicht, sich mit uns zu verständigen, die Diagnose wird uns nicht erklärt ("Es ist nichts Schlimmes!")", so fassen Teilnehmerinnen des Arbeitskreises ihre Erfahrungen mit ÄrztInnen zusammen.

Sie fühlen sich nicht ernst genommen.

Auch auf Behörden, so die Frauen, sei der Umgang oft nicht korrekt.

"Wir werden oft unfreundlich behandelt und über unsere Rechte und Widerspruchsmöglichkeiten nicht informiert. Häufig werden wir gefragt: "Wie lange wollen Sie denn noch hierbleiben?!"

Seit März sammelt der AK "Gewalt gegen ausländische Frauen" solche und ähnliche Diskriminierungserfahrungen ausländischer Frauen in Oldeburg. Ziel des Arbeitskreises ist es, zu erarbeiten, in welchen Formen Gewalt gegen ausländische Frauen sich äußert und wie Frauen sich besser wehren können.

Initiiert wurde der Arbeitskreis von der Beratungsstelle für ausländische Frauen des Kreisverbands der AWO.

"Wir müssen uns in unserer Beratungsstelle häufig mit Diskriminierungen ausländischer Frauen auseinandersetzen, ohne diese im Einzelfall strukturell bekämpfen zu können. Deswegen hielten wir es für notwendig, ein Projekt zu schaffen, das speziell die Diskriminierung ausländischer Frauen untersucht und öffentlich macht", erklärt Gisela Hinsberger, Mitarbeiterin des Kreisverbands der AWO. Das niedersächsische Frauenministerium fand dieses Projekt sinnvoll und hat im August die Projektförderung bewilligt.

Der Arbeitskreis besteht zur Zeit aus 8-10 Frauen aus Deutschland, der Türkei, dem Iran und Tunesien und trifft sich 14-tägig in der AWO, Bahnhofstr. 23. (Interessierte Frauen sind willkommen)

Die Teilnehmerinnen haben einen Diskriminierungsbeschwerdezettel in mehreren Sprachen entwickelt, der an ausländische Frauen und MultiplikatorInnen verteilt wurde (auf der Nebenseite abgedruckt).

Darüberhinaus wurde ein Fragebogen erarbeitet, in dem spezifische Fragen zu Erfahrungen mit den lokalen Behörden gestellt werden. "Die Beschwerdezettel haben wir schon verteilt. Sie können ruhig in der jeweiligen Muttersprache ausgefüllt werden. Die Anonymität wird gewahrt" , versichert Emine Atasoy, Mitarbeiterin des Projekts. "Natürlich hoffen wir auf einen starken Rücklauf!"

(Fragebogen und Beschwerdezettel können bei der Beratungsstelle abgeholt oder auch zugeschickt werden!)

Um ausländischen Frauen zu ihren Rechten zu verhelfen, plant der Arbeitskreis mehrere Informations- und Antidiskriminierungstrainings.

Das 1. Training soll am 25.10.1995 von 14-18 Uhr in

stattfinden.

Schwerpunktthemen dieses 1. Trainings sind die Bereiche "Diskriminierung auf Behörden", "Diskrimnierung beim Arzt bzw. im Krankenhaus".

Ausländische Frauen sind herzlich eingeladen, zu diesem Treffen zu kommen. Da die Anzahl der Teilnehmerinnen begrenzt ist, sollen interessierte Frauen sich bitte anmelden.(Tel.:9258335)

Gisela


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