Oldenburger STACHEL Nr. 5/95
Astrokurs für "Oldenburger Stern"deuter
- für Ratsmitglieder insbesondere -
Folge 3: Sternbedeckungen
Sterne sind bekanntlich überall im All verstreut. Da wir ja bei klarem
Wetter in den Weltraum hinausblicken, müßten wir die Sterne also auch
sehen. Doch der Blick zum Himmel läßt uns staunen: Keine Sterne
da. Wo sind sie hin? Statt ihrer sehen wir einen blauen Himmel mit
einem ganz hellen Licht. Das grelle Licht erkennen wir als die Sonne,
und die macht den Himmel hell, so hell, daß die Sternchen stumpf
überstrahlt werden. Nur wenn ein böser Drachen, z.B. der Mond, die
Sonne verschlingt (Sonnenfinsternis) fällt das Blaue vom Himmel und
wir sehen Sterne. Das gilt für alle Orte auf der Erde, insbesondere
für Oldenburg, wo es eine kleine Besonderheit gibt: Hier wirft der
böse Drachen nicht einfach das Blaue vom Himmel runter, sondern er
redet es herunter. Anschließend plätschert es die schöne Hunte hinab,
weswegen der Drachen seit langem eine Verbreiterung derselben
fordert. Zurück bleibt am Himmel eine tiefe, unheimliche Dunkelheit,
die nur ganz schwach von einem einzigen Stern durchbrochen wird: dem
Oldenburger Stern. Erwünschter Nebeneffekt: mit der Verfinsterung der
Sonne geht auch eine Abkühlung des Stadtklimas einher, was das Wasser
in der Luft kondensieren läßt. Die Folge davon ist die Bildung von
Nebel, der Details dieses schwachen Sterns verschleiert.
Doch läßt sich nicht nur die Sonne, sondern auch Sterne verfinstern,
indem sich z.B. der Mond sich einfach vor sie schiebt. In Oldenburg
vergleichbar wäre das damit, wenn sich entweder Demonstranten vor den
Stern legen, stellen oder setzen oder andere kluge Köpfe über den
Oldenburger Stern derart herziehen, daß er geradezu vor den geistigen
Augen der Mitmenschen verschwindet und ad absurdum geführt
(Beamtendeutsch: "dem Mülleimer der Geschichte zugeführt") wird.
Zum Abschluß vielleicht noch eine kleine praktische Übungsaufgabe, um
sich die Sachverhalte etwas zu veranschaulichen: Alle, die sich nichts
sehnlicher wünschen, als daß der Oldenburger Stern verschwindet,
sollten zum Mond blicken am Freitag, 12. Mai, von 21.10 bis 21.25
(Mond bedeckt Stern "Spica" um ca. 21.21) oder am Samstag, 27. Mai, ab
7.35 (Mond bedeckt Planet "Venus" um ca. 7.44). Weil der Stachel diesen
Monat dreizehn wird und wir keine Glückwunschkarte vom Herrn
Oberstadtdirektor erhielten, haben wir für ihn auch einen kleinen
Bonbon: Die Sterne tauchen auch wieder auf: Spica um ca. 22.10 und Venus
um ca. 8.50 Uhr. Frohes schauen!
P.S. Sollten Oldenburger Wolken die Himmelsobjekte verschleiern, du weißt
ja, wer für städtische Angelegenheiten zuständig ist.
Diese Veröffentlichung unterliegt dem
Impressum des Oldenburger Stachel.
Differenzen zur gedruckten Fassung sind nicht auszuschließen.
Nachdruck nur mit Quellenangabe, Belegexemplar erbeten.