Oldenburger STACHEL Nr. 4/95

Schöner Wohnen

Zwischen Hafen im Süden, Bahnanlage im Norden, Güterstraße im Westen und Bahnschranke im Osten liegen derzeit sechzehn sogenannte Flurstücke.

Leeres Haus am Stau

Zwei davon gehören "Normalbürgern", drei einer wahrscheinlich ähnlich zu beschreibenden Erbengemeinschaft, vier dem Oldenburger Großgrundbesitzer Johannes Oetken und sechs - der Stadt Oldenburg. Damit sind diese, sieht man es grundsätzlich demokratisch, in öffentlicher und gemeinwohlverpflichteter Hand.

Der gesamte Bereich ist als Gewerbegebiet ohne ordnenden und rechtsverbindlichen Bebauungsplan ausgewiesen.

Mitte Februar dieses Jahres ging das Grundstück Stau Nr. 105 mit dem Gebäude des ehemaligen Hotels "Brandis" in das Eigentum der Stadt Oldenburg über. Zwei Jahre soll das Haus schon ungenutzt herumstehen. Das Liegenschaftsamt teilte telefonisch mit, daß das Gebäude als Gewerbeobjekt langfristig für drei bis vier Mark pro Quadratmeter vermietet werden soll. (Kontrast: Die GSG will ein Haus im Festungsgraben in zwei Wohnungen zu je achtzig Quadratmeter aufteilen, sanieren und für vierzehn bis fünfzehn Mark pro Quadratmeter vermieten!) Das städtische Presseamt wußte nur zu sagen, daß das ehemalige Hotel als Verfügungsmasse für zukünftige, baupolitisch ordnende Maßnahmen dienen soll.

Daneben Wohncontainer

Auf dem nebenliegenden, ebenfalls städtischen Grundstück stehen - leicht im Hintergrund - drei Container für wohnungslose Männer: Ca. zwei mal sechs Meter, also ungefähr zwölf Quadratmeter für offiziell je vier Personen per Behältnis. Mit je einem Fenster, einem Anschluß für elektrische Energie, der Kochen und Heizen zuläßt, ist die Befriedigung grundlegender Lebenserhaltungsbedürfnisse wohl möglich. Wasser gibt es einige fünfzig Meter weiter im Nachbarhaus. Außerdem steht noch eine (!) Chemietoilette zur Verfügung.

Als eine Schande muß diese "Idylle" empfinden, wer das große und leerstehende Haus in unmittelbarer Nähe ansieht. Dieses verfügt zudem über eine m. E. ausreichende und technisch funktionierende Ver- und Entsorgungseinrichtung. Immerhin war es ja mal ein Hotel!

Stadt gegen Hausnutzung für Obdachlose

Die amtlichen Argumente der Stadt Oldenburg gegen eine private und eben auch sozial vertretbare Nutzung des Gebäudes in sinngemäßer Wiedergabe des O-Tones:

Die Sanierung sei unverhältnismäßig teuer, um den üblichen und geforderten Standard in Sachen Wärmedämmung, Heizung, Sanitäranlagen und sonstigem Wohnkomfort zu erreichen.

Wer fragt die Containerbewohner, die zudem bis Mitte, spätestens Ende April dieses Jahres die Wohnkonserven wieder räumen müssen? Wer fragt sie, ob sie interessiert und bereit sind, nach ihren eigenen Vorstellungen ein Haus oder eben dieses Haus bewohnbar zu machen ? Wer fragt zudem, warum die Wohnungslosenunterkünfte im Sandweg nicht angenommen werden und unterbelegt sind ?

Containerkosten - anders zu verwenden ?

Um sich einen eigenen Reim auf faktischer Grundlage machen zu können, gibt es hier die annähernd tatsächlichen Kosten, gerechnet für sechs Monate:

Containermiete: 7 110 DM

Toilettenmiete: 1 440 DM

Reinigung : 10 800 DM

Reparatur : 10 000 DM

Transport : 3 000 DM

(Die Gesamtsumme für Reparaturen beläuft sich auf ca. das Doppelte, wird aber teilweise von einer Versicherung abgedeckt.)

Macht unter dem Strich 32 350 DM, bei Vollbelegung der Container mit zwölf Personen 450 DM pro Person und Monat. Diese nicht gerade geringe Summe den Wohnbedingungen gegenübergestellt sollte zum Nachdenken über andere Problemlösungen anregen.

Eine Anregung für die geneigten LeserInnen: Schreibt allen Ratsfraktionen eine Anfrage zu vorliegendem Sachverhalt oder geht mal ins Rathaus - einfach so...BürgerInnennähe und politische Transparenz sollen gefragt sein, wurde gemunkelt !

Ulli


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