Oldenburger STACHEL Nr. 4/95

Klassik-Freunde in Nöten

Werden auf Radio Bremen 3 bald deutsche Schlager gedudelt?

Das Klassikprogramm Radio Bremen 3 soll zu einer Welle mit deutschsprachiger Schlagermusik werden. Derartige Überlegungen bestätigte uns die Pressestelle des Senders, allerdings sei das Thema noch in der hausinternen Diskussion und nur durch Äußerungen eines Radio Bremen-Mitarbeiters an die Öffentlichkeit gelangt. Konkrete Informationen waren nicht zu bekommen, allerdings werde angestrebt, mit NDR3 zu kooperieren und Sendungen von RB3 auf das zweite Programm zu verlegen. Auf Radio Bremen 2 laufen derzeit Sendungen mit kulturellen und sozialen Themen und einer seltenen - und damit besonderen - Musikmischung.

Existenskampf bei Radio Bremen

Angesichts der laufenden Debatte um die Finanzierung der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalter in Deutschland (ARD) ist es nicht weiter verwunderlich, daß gerade bei den kleinen Anstalten (Radio Bremen und Saarländischer Rundfunk) ein Nachdenken über ihren Fortbestand eingesetzt hat. In Bremen wird befürchtet, daß der Norddeutsche Rundfunk auch noch dieses Bundesland als fünftes zugesprochen bekommt. (Fünf ist Trümpf - fünf Sender, fünf Länder, d.S.) Würden die kleinen verschwinden, bräuchten die großen, etwa NDR, WDR oder der Bayerische Rundfunk diese fiananziell nicht mehr unter die Arme zu greifen. Ihr Defizit versuchen die kleinen nun durch Werbung abzuschwächen, doch dazu benötigen sie Einschaltquoten, um die Attraktivität und Werbepreise für Werbetreibende zu steigern.

Die Bremer Rundfunkmacher wollen daher die zahlreichen vernachlässigten Fans der deutschsprachigen Schlager zurückgewinnen. Nachdem auf der Hansawelle (RB1) immer mehr - und jetzt fast ausschließlich - englischsprachige Musik zu hören war, haben viele zu NDR1-Radio Niedersachsen umgeschaltet. Ob sie zurückschalten werden, ist offen, wohingegen klar ist, daß die Abschaffung der Klassikwelle viele Klassikfreunde verschrecken wird, die zu NDR3 abwandern könnten.

Radio Bremen ist im Dilemma: Während viele andere ARD-Anstalten fünf Sparten-Programme (je eines für Klassik, Deutschsprachges, Englischsprachiges, Jugend und Ansspruchsvolles) haben, fehlt hier das Geld für ein weiteres Programm. Es stellt sich die Frage, ob es immer Spartenprogramme sein müssen. Hätte nicht gerade Radio Bremen als Lokalsender die Möglichkeit, durch Hörernähe und verstärkte Lokalberichterstattung mehr Hörende an sich zu binden, ähnlich wie es die geplanten nicht-kommerziellen Lokalsender in Niedersachsen vorhaben?

Rettung für Bremen 3?

Die Würfel scheinen in Bremen noch nicht ganz gefallen zu sein. Vielleicht findet die eine oder andere Hörermeinung noch Gehör, allerdings sollte mit Briefen nicht zu lange gewartet werden. Zu richten ist die Post an Radio Bremen in 28353 Bremen.

muh


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