In einem sehr langen Beitrag waren im März-STACHEL verklommene Jubelrufe zur Unterbringung von Flüchtlingen in der Kriegerhorst-Kaserne zu lesen.
Gibt es da etwas zu jubeln? Es wurde die Situation von deutschen Flüchtlingen angesprochen, denen es damals auch nicht besser gegangen sei. Ich halte das für einen unbrauchbaren Vergleich. Aber wenn schon mit Deutschen verglichen werden soll, dann drängt sich mir die Frage auf, warum es seit Jahrzehnten Widerstand gegen die Kasernierung von Zuvieldienstleistenden gibt. So meinte Ende der 70er die Bundesregierung, daß z.B. der Vinkehof in Castrop-Rauxel (eine alte Nazi- und spätere Bundeswehrkaserne) doch ganz praktisch sei. Einer der ersten dorthin eingepferchten Zuvieldienstleistenden nahm sich das Leben. Der Vinkehof wurde das Ziel von mehreren bundesweiten Demonstrationen. Die Kasernierung von Zuvieldienstleistenden fand ihr Ende.
Anders als die Zuvieldienstleistenden sind die Flüchtlinge aus dem ex-jugoslawischen Kriegsgebiet - insbesondere die Kinder - durch das Erleben des Kriegsgeschehens beeinträchtigt und traumatisiert. Und ausgerechnet diese Menschen werden in Kasernen gesteckt, mit dem Militär gleich nebenan. Abgesehen davon, daß eine dezentrale Unterbringung sich letztlich als kostengünstiger erweist - vgl. z.B. das im Artikel angesprochene Modell Göttingen: Wären in der konkreten oldenburgischen Situation möglicherweise doch entstehende Mehrkosten bei dezentraler Unterbringung nicht mindestens ein Beweis für mitmenschliches Einfühlungsvermögen?
Den Umkehrschluß zu überdenken überlasse ich dem Verfasser des Artikels - nach meinem Wissen immerhin der Geschäftsführer des Kreisverbandes der GRÜNEN - und den übrigen Befürwortern der Kasernen(end?)lösung.
Ob letztlich die genannte Gruppe mit dem Prädikat "recht- und ordnungsliebend" sich im Rahmen der so positiv bewerteten "Aufmerksamkeit" - ich möchte das hier lieber "soziale Kontrolle" nennen - sich so positiv zeigen wird, vermag heute wohl niemand mit Sicherheit sagen. Schließlich ist dieses Land bekanntermaßen anfällig für BLOCKWARTMENTALITÄT.
Die MordBrenner von Solingen, Rostock und den vielen weiteren Schandmalen dieses Landes, das im Namen eine Republik zu sein für sich beansprucht, stellen oftmals gerade diese Eigenschaften "recht- und ordnungsliebend" als ihre wichtigen "Tugenden" heraus. Wer wagt es noch in "diesem unserem Lande" anderes zu sagen?
Gewalt hat ein leichtes Spiel bei Feindbildern. Feindbilder entstehen leicht bei Unbekanntem. Dies ist für mich einer der wichtigsten Gründe, gegen ein Ghetto für Flüchtlinge zu sein. Warum eigentlich sollen solche Schlüsselerlebnisse, wie z.B. Richard mit dem bosnischen Flüchtling hatte, den Menschen der Gruppe vorbehalten bleiben, die in den Kriegerhorst zu den Flüchtlingen fahren?
Gerold Korbus