Oldenburger STACHEL Nr. 3/95

Oldenburg hat wieder eine Synagoge

In Anwesenheit des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, des niedersächischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder, des früheren Landesrabbiners Leo Trepp, des Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland Ignatz Bubis und weiteren Ehrengästen übergab Oldenburgs Oberbürgermeister Dieter Holzapfel im Rahmen eines Festaktes im PFL Kulturzentrum der Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Oldenburg, Sara-Ruth Schumann, den Schlüssel für die neue Synagoge.

Der Einladung der Stadt Oldenburg waren darüber hinaus viele Bürgerinnen und Bürger gefolgt, die die festliche Übergabe und den anschließenden "Tag der offenen Tür" der jüdischen Gemeinde nicht versäumen wollten. Die neue Synagoge und das neue Jüdische Kulturzentrum in der Wilhelmstraße 17 soll dem jüdischen Leben und Denken in Oldenburg wieder Raum geben. So steht es in der Einladung zum Festakt, der am 5. März 1995, am Eröffnungstag der "Woche der Brüderlichkeit" (wo die Schwestern bleiben, ist offen ?!), stattfand. Ein eigens für diese Veranstaltung aus dem Westlichen Galiläa gekommender Chor gab dem Festakt einen würidgen Rahmen.

Der ehemalige Landesrabbiner und heutige Ehrenbürger der Stadt Oldenburg, Prof. Dr. Dr. leo Trepp, hob in seiner Ansprache die Gleichheit aller Menschen hervor. Es gehe nicht mehr darum, daß Juden Juden und Christen Christen seien, sondern vielmehr darum, daß Juden und Christen Menschen seien. Es läge an allen, die Gemeinsamkeiten und auch die Unterschiede zu respektieren, aber auch mit ihnen und durch sie zu leben. Die Grußworte des Vorsitzenden des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, Michael Fürst, und des niedersächischen Landesrabbiners, Dr. Henry Brandt, standen ebenso im Zeichen der Versöhnung und eines gemeinsamen Miteinanders. Oberbürgermeister Holzapfel versprach der jüdischen Gemeinde gute nachbarschaftliche Beziehungen. Im Anschluß an den Festakt segnete Leo Trepp die Synagoge, die dann auch der Öffentlichkeit zugängliche gemacht wurde.

Am Vormittag des selben Tages wurde Richard von Weizsäcker im Oldenburgischen Staatstheater die Buber-Rosenzweig-Medaille für seine besonderen Verdienste im Sinne einer jüdisch-deutschen Aus- und Versöhnung verliehen. Es verwundert nicht, daß zu diesem Anlaß viel Prominenz nach Oldenburg gekommen war. Umso erfreulicher war es, daß diese Prominenten auch den Weg zur Eröffnung der Synagoge gefunden haben. Noch wichtiger erscheint jedoch, daß auch die Bürgerinnen und Bürger Oldenburgs an der Wiedereröffnung der Synagoge regen Anteil nahmen. Es bleibt zu hoffen, daß in Oldenburg ein Neubeginn gelungen ist und dieser nicht durch Desinteresse oder gar Feindseligkeit zu Nichte gemacht wird. Die Prominenz reiste nach Beendigung der Feierlichkeiten wieder ab, die Oldenburger stehen nun vor der Aufgabe, für eine versöhnende und fruchtbare Zukunft zu sorgen.

Sebastian Weber


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