Der Modellversuch "Nichtkommerzieller Lokalfunk in Niedersachsen (NKL)", wir erinnern uns, in Oldenburg arbeitet der Verein "Radio Oldenburg" seit geraumer Zeit auf eine Lizenz hin, tritt in eine entscheidende Phase ein. Für die verschiedenen niedersächsischen Radioinitiativen war am 31. Januar Abgabeschluß für die Lizenzanträge, Entscheidungen werden im späten Frühling 1995 erwartet. In Oldenburg entwickelte sich eine denkwürdige Szenerie: Zum einen gibt es seit etlichen Jahren einen Kreis von RadioaktivistInnen, zusammengeschlossen im Verein "Radio Oldenburg", selbiger wieder Mitglied in der "Interessengemeinschaft Nichtkommerzieller Lokalfunk in Niedersachsen (INGEHN)", einem Verbund mehrerer NKL-Gruppen mit kritischen Ansprüchen. Zum anderen haben sich im letzten Jahr verschiedene Personen aus der Kulturszene Oldenburgs entschlossen, einen "Offenen Kanal (OK)" zu beantragen. Zwischen den beiden Konzepten bestehen Unterschiede. Im Kurzen:
Radio Oldenburg (NKL) wird einen Sender betreiben mit einem (vielleicht nicht ganz) normalen Radioprogramm, in welchem der Schwerpunkt auf Themen aus Oldenburg und Umgebung liegt. Dieses wird von einer echten Redaktion gestaltet, die eng mit interessierten lokalen Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen zusammenarbeitet und auch im musikalischen Bereich Oldenburg nicht zu kurz kommen läßt. Die Sendungen sollen frei von rassistischen, sexistischen oder sonstwie menschenfeindlichen Inhalten sein. Die Mitarbeit von Bürgern und Bürgerinnen ist hierbei definitiv erwünscht, Werbung und Sponsoring hingegen nicht. Finanziert werden soll das hauptsächlich durch eine Abgabe der privaten Sender an die verwaltende Landesmedienanstalt. Auch ist seit wenigen Wochen eine Finanzierung aus Abgaben der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten in der Diskussion, aber da hat noch die Konferenz der Ministerpräsidenten am 16. März ein Wörtchen beizutragen. Die privaten Sender, sie bekamen seinerzeit ihre Logistik aus öffentlich- rechtlichen Mitteln spendiert, drohen jetzt aber mit gerichtlichen Schritten gegen die entsprechenden Abschnitte des Landesrundgesetzes. Mitinhaber eines dieser Sender, Radio ffn, ist - schau einer an - die hiesige Nordwestzeitung. Aber dazu später mehr.
Die Initiative "Offener Kanal" sieht ihren Schwerpunkt im Fernsehbereich, zieht aber auch Rundfunk in Betracht. Die Struktur ist weniger aufwendig als beim NKL, es entfällt die programmgestaltende Redaktion, der Kern des Konzeptes ist, Beiträge aus allen möglichen Quellen als Sendematerial zu benutzen, die Möglichkeit, Sendungen beizutragen, besteht für alle, die sich dazu berufen fühlen. Auch der Offene Kanal soll ohne Werbung auskommen, die Finanzierung kommt aus einem Etat der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten.
Nun, das wäre ja alles ganz nett, wenn nicht verschiedene dunkle Mächte das fröhliche Treiben in direkter Nähe zum Normalverbraucher mißtrauisch beäugen würden. Die große und glorreiche Oldenburger Lokalzeitung hat den Braten gerochen und bangt ein wenig um die Ruhe im Lande. Um diese zu erhalten, wurde, schwupp, eben noch ein NKL-Projekt aus dem Boden gestampft, finanziell gesichert und dem Namen "Initiative Lokalradio Oldenburg". Mit von der Partie müssen natürlich wohlklingende Namen sein, so wurden denn als Mitstreiter die Kirche in Gestalt des Oberkirchenrates, das Staatstheater, DIE Oldenburger Bürgervereine (nanu?), der Universitätspräsident Herr Daxner (als Kassenwart?) und, ein (vorzeige-) ökologisches Wunder, die Biologische Schutzgemeinschaft Hunte präsentiert. Es läßt sich der Eindruck nicht verdrängen, daß einige dieser Institutionen nur auf der Liste stehen, weil sie nicht klar genug "Nein" gesagt haben oder die Vorstände sich von schönen Worten haben beeindrucken lassen. Jedenfalls entsteht das Bild einer pflegeleichten und strukturerhaltenden Mannschaft als Träger für ein Projekt, das nach dem Landesrundfunkgestz eigentlich ja eine Ergänzung vorhandener Informationsmöglichkeiten darstellen soll. Daß mit diesem Projekt in Oldenburg etwas anderes als die gewohnten Inhalte der NWZ verbreitet werden, ist wohl kaum vorstellbar. Der hiesigen High-Society solls so wohl recht sein. Aber nicht nur nur Geld und Macht sind ein Lizenzvergabekriterium, sondern auch die Möglichkeit, eine monopolistische Situation vor Ort aufbrechen zu können. Tja...
Aber es gibt noch mehr Leute, denen eine volksnahe Ätherwellengestaltung nicht so recht schmecken will, erwähnt wurden schon die privaten Sender, die sich unter dem gegenwärtigen Druck im Moment sogar ein bischen mit Lokalberichterstattung befassen. Sie drohen, gegen ihre Zahlungsverpflichtung zu klagen, sobald die Landesmedienanstalt die ersten Gelder einziehen will. Treibende Kraft dahinter sind einige Zeitungsverlage, wohl in der Befürchtung, daß flotte Lokalsender den kommerziellen Werbeträgern wertvolle Hörstunden abziehen könnten. Voll im Sinne dieser Interessengruppe handelt zur Zeit ein Mensch, von dem so etwas eigentlich nicht zu erwarten sein sollte, schließlich hat unter Anderem seine Partei die Schaffung der NKLs durch eine Gesetzesänderung erst mit ermöglicht. Die Rede ist vom Medienbeauftragten der SPD, Herrn Alfred Reckmann. Dieser reist zur Zeit durch die Lande, um Reklame für die Idee zu machen, die NKL's nicht aus der 3% Abgabe der Privaten finanzieren zu müssen. Lieber hätte er es, wenn die Privaten (Reckmanns Lieblinge FFN und Antenne im speziellen) ein Rahmenprogramm (mit Werbung) lieferten, in dem die NKL-Initiativen dann ein 2-4 Stündiges Sendefensterchen bekämen. Mit diesem Vorschlag wird er bei der NWZ und ihren Verbündeten sicherlich wenig Anstoß erregen. Als sachkundiger Medienexperte muß er ja wissen, was er tut, und - warum er es tut.
Liebe Leserin, lieber Leser, wenn Dir ein Scenario nach Art des Hauses Reckmann nicht gefallen sollte, werde aktiv, das hilft weiter. Das Infotelefon von Radio Oldenburg hat die Nummer 664701, der Verein nimmt noch Mitglieder auf und Spenden sind auch gern gesehen.