Oldenburger STACHEL Nr. 3/95

Alles heiße Luft?

Ende März beginnt der Klimagipfel in Berlin. Die Staaten der Welt wollen wieder einmal darüber beraten, wie die drohende Erwärmung der Erdatmosphäre mit all ihren katastrophalen Folgen für die Menschheit gebremst werden kann. Verhindert werden kann sie nicht mehr. Untersuchungen über den Treibhauseffekt, die Zerstörung der Ozonschicht und die Folgen gibt es inzwischen so viele, daß niemand mehr sagen kann, er/sie habe es nicht gewußt. Und das tut die Bundesregierung auch gar nicht: Bundesminister Spranger wies darauf hin, daß 75 Prozent der für die Klimaveränderungen verantwortlichen Emissionen auf die Industrieländer entfielen. Sie trügen besondere Verantwortung für die Zunahme von Treibhausgasen in der Atmosphäre und der sich daraus ergebenden schleichenden Erwärmung. In der Tat: Von den 5,6 Mrd. Menschen auf der Erde leben 24 % in den Industrieländern. Sie verbrauchen 70 % der Energie. Sie verursachen dabei 67 % der CO2 Emissionen, das sind 22,3 Mrd. Tonnen jährlich !

Treibhaus und die Folgen

In der Klimakonvention der Vereinten Nationen, die bisher von etwa 70 Staaten unterzeichnet wurde, ist bisher nur vorgesehen, den Schadstoffausstoß bis zum Jahr 2000 auf dem Niveau von 1990 zu stabilisieren. Um dies zu erreichen, müssen nach Ansicht des WWF (World Wide Fund for Nature) schon jetzt 60 Prozent der ständig zunehmenden Emissionen verhindert werden. Doch die großen Industrieländer halten noch nicht einmal ihre Verpflichtungen zur Stabilisierung der Emissionen ein. Die USA haben den Richtwert bereits 1990 um drei Prozent überschritten, bei Japan wird dies um 2000 herum der Fall sein. Einige asiatische Länder planen, den Schadstoffausstoß in diesem Jahrzehnt massiv zu erhöhen. Sie davon abzuhalten wird unmöglich sein, wenn die Vorbilder - die großen Industrieländer - mit schlechtem Beispiel vorangehen.

Studien haben ergeben, daß die globale Temperatur pro Jahrzehnt um 0,3 Grad ansteigt. Die Folgen sind ein Anstieg der Meeresspiegel und das Schmelzen von Gletschern. Pflanzen und Tiere können sich nicht so schnell an die veränderte Umwelt anpassen. So müßte z.B. die alpine Flora um mindestens 50 Meter pro Jahrzehnt in die Höhe ziehen, um zu überleben. Die Pflanzen erreichen jedoch nur etwa zehn Meter. Auch für Korallen würde die sich jetzt abzeichnende Erwärmung der Meere der sichere Tod bedeuten.

Der Küstenstaat Bangladesh liegt bereits jetzt wenige Meter über dem Meeresspiegel, große Teile werden fast jährlich überschwemmt. Hohe Deiche wie in den Niederlanden und an unserer Küste kann das Land nicht finanzieren. Der Lebensraum von Zig Millionen Menschen wird vom Meer überflutet werden. Die Inselstaaten des Pazifiks stehen unter einer ähnlichen Bedrohung. Sie forderten deshalb die TeilnehmerInnen der Berliner Konferenz auf, sich zu einem CO2- ABBAU von 20 Prozent bis 2005 zu verpflichten. Geschehen müßte dies in einem ergänzenden Protokoll zur Klimakonvention der Vereinten Nationen.

Hannemann, geh du voran...

Doch es steht schlecht um die Zukunft der Menschheit. Sie hat auf der Welt keine Lobby - jedenfalls nicht in den Regierungen und Wirtschaftsführungen. Die meisten Staaten der Erde haben angekündigt, daß sie in Berlin dagegen stimmen werden, überhaupt ein verbindliches Protokoll zu beschließen. Die Industriestaate n haben sich im Vorfeld der Konferenz darüber gestritten, ob der Ausstoß von Kohlendioxid auch nach 2000 auf dem Niveau von 1990 gehalten werden soll oder wieder ansteigen dürfe. Die USA, das reichste und mächtigste Land der Erde, haben erklärt, sie sähen sich nicht in der Lage, über das Jahr 2000 hinausgehende Verpflichtungen zur Stabilisierung der Emissionen einzugehen. Was soll mensch dann von den armen Ländern Asiens, Afrikas oder Lateinamerikas verlangen ?

Zu eigener Verantwortung stehen!

Bundesministerin Merkel verkündete, sie sähe sich außerstande, den Entwurf der Inselstaaten zu unterstützen und sich für eine Verpflichtung zu einer CO2-Reduzierung einzusetzen. Als Grund verlautete, daß sie die anderen Industrienationen nicht "verschrecken" wolle. Doch wie sagte Bundesminister Spranger so richtig: "Entschlossenes Handeln auf nationaler Ebene sei die zentrale Voraussetzung für Erfolge beim Klimaschutz." In so einer wichtigen Frage sollte mensch die Freunde schon mal verprellen und mit gutem Beispiel vorangehen. Doch inzwischen sind die Dreckschleudern der DDR weitgehend stillgelegt. Sie hatten die relativ gute Bilanz der Bundesrepublik ermöglicht (CO2-Reduzierung um 15 % von 1987 bis 1993). Jetzt würde es etwas kosten, weiter Energie und Schadstoff einzusparen. Aber solche Bemühungen würden sich lohnen: Deutschland trägt mit 900 Millionen Tonnen CO2 jährlich rund vier Prozent zur weltweiten Kohlendioxid-Emission bei. Dafür ist nicht nur die Bundesregierung verantwortlich: Jede/r kann und muß im eigenen Alltag dabei mithelfen, den Kindern eine lebenswerte Welt zu hinterlassen.

achim


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