Oldenburger STACHEL Nr. 3/95

"Afrikaner im Angebot"

Am Freitag, 9.3. besuchte Reinhold Kühnrich den liberianischen Flüchtling, Red Faye in der JVA Vechta.

Ende Februar 1995 wurde der Flüchtling von der ZAST Oldenburg in die Gemeinde Edewecht (Landkreis Ammerland) umverteilt. Am Montag, den 6.3., begab sich Red Faye nach Oldenburg in die ZAST (keine Rechtsverletzung, da Aufenthaltsgenehmigung Regierungsbezirk Oldenburg). Gegen 14.00 Uhr wurde er dort von drei Beamten festgenommen, direkt nach Hannover zum Flughafen gefahren und zu einem Flugzeug, welches startbereit zum Abflug nach Gambia bereitstand, gebracht. Hier forderte man ihn, unterstützt durch "sanftes Schubsen" auf die Gangway hinaufzugehen und das Flugzeug zu besteigen. Red Faye beteuerte, daß er nicht nach Gambia wolle und er liberianischer Staatsbürger sei. Von Seiten der Flugzeugbesatzung wurde man dann wohl auf den Vorgang aufmerksam, ein männlicher Pilot erschien und sagte, daß er ihn nicht nimmt. ("I don't take him....") Red Faye hat im Zuge der Bonner Botschaftsrundfahrten nie die Botschaft von Gambia betreten. Red Faye beteuert immer wieder, aus Liberia zu kommen. Red Faye besitzt keinerlei Papiere, die ihm in irgendeiner Form als Staatsbürger Gambias ausweisen. Red Faye hat auch keinerlei vorläufige oder sonstige Papiere zu Gesicht oder ausgehändigt bekommen, die in irgendeiner Form eine Ausweisung nach Gambia rechtfertigen.

Ich möchte schlußfolgern: Neben den Rundreisen über afrikanische Botschaften nimmt die Aktivität der Verwaltung Formen an, die ich schon mit dem Begriff "Verwaltungskriminalität" (Analog zum Begriff der Kriminalität der "weißen Kragen) bezeichnen möchte. Selbst in den Zeiten des Sklavenhan- dels wurde noch der zukünftige Besitzer notiert, die Verwaltungen handeln inzwischen nur noch nach dem Grundsatz "Afrika ist Afrika".

Das Amtsgericht Westerstede setzt allem noch die Krone auf: Die Gründe für die Abschiebung von Red Faye lauten: "Die Entscheidung ergeht auf Antrag des Landkreises Ammerland - Ausländerbehörde - ........Der Betroffene hat sich geweigert, nach Liberia oder Gambia auszureisen." Red Faye hat sich nie geweigert, nach Liberia auszureisen, Liberia stellt nur keine Pässe aus, also kann er gar nicht einreisen nach Liberia. So nimmt man eben ein anderes afrikanisches Land.

Aus der JVA erreichte uns am 11.3. auch ein Brief von Red Faye direkt: "Hello Reinhold,

I am Red Faye writing this letter and I am gretting you with your wife. I want to tell you, that I am in a prison, call Vechta in Oldenburg. I am in the prison three day and they want to take another country which is not my country and I tell them I am not going to anywhere except liberia my country.

your son Red Faye"


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