Oldenburger STACHEL Nr. 3/95

Kurz Berichtet


Unpassend

Die Kleinanzeige des Monats fanden wir diesmal in der Rubrik "Vermietungen: Wohnungen" in der NWZ vom 7.3.. Auf Seite D 12 heißt es dort u.a.: "Die topgeflegte erstklassige Hausgemeinschaft paßt leider nicht zu Kleinkindern und Haustieren." Schön formuliert.


StadtTeilAuto verzeichnet starken Zuwachs

Zur Zeit wird beraten, ob sich die Anschaffung eines Kleinbusses lohnen könnte. Interessierte Vereine oder Gewerbetreibende werden gebeten, sich mit dem Verein in Verbindung zu setzen (Tel.:87171), damit der Bedarf abgeschätzt werden kann.

Um eine persönliche Beratung zum Thema Car- Sharing zu ermöglichen, wird in Kürze ein Büro mit festen Öffnungszeiten eröffnet werden.


hbv Rechtsschutz

Die Bezirksverwaltung Oldenburg/Unterweser der hbv hat 1994 über 735.000 DM für ihre Mitglieder in arbeits- und sozialrechtlichen Fragen erstritten. Gewerkschaftssekretär Richard Schmid dazu: "Gerade in der heutigen Zeit versuchen viele Arbeitgeber den Beschäftigten die ihnen zustehenden tarifvertraglichen Leistungen vorzuenthalten. Oftmals bleibe diesen Betroffenen nur der Weg über den gewerkschaftlichen Rechtsschutz, um ihre berechtigten Ansprüche auch durchsetzen zu können."


Aus für Täter-Opfer-Ausgleich?

Das Modellprojekt "Täter-Opfer-Ausgleich für erwachsene Straftäter in der Stadt Oldenburg", welches u.a. im Stachel 12.94 vorgestellt wurde, soll vorzeitig zum Ende März 95 beendet werden. Wurde erst im am 1.12.94 in Kraft getretenen Verbrechenbekämpf ungsgesetz ausdrücklich die Förderrung des TOA zugesagt, will jetzt das Land die 100.000 DM jährlich für Personal- und Sachkosten nicht mehr bewilligen. Stattdessen soll diese Aufgabe an die ohnehin überlastete Gerichtshilfe übertragen werden. Ein unsinniger Vorschlag, da das Konzept gerade in der Justizferne des Projekts bestand. Unser Vorschlag: Die Aufgaben der Streetworker an die Polizei übertragen nach dem Motto "Vertrauen ist gut, Geld sparen besser". Mit einem Änderungsantrag haben jetzt die Grünen die Weiterführung des Projekts beantragt. Ohne diese würde eine Auswertung des Modelprojekts übrigens wohl auch kaum möglich sein.


Schwimm-Kurze

In den Osterferien wird im Hallenbad Berliner Platz eine Schwimmkurs für Kinder ab 6 angeboten. Vom 3.4. bis zum 18.4. wird täglich außer samstags, Karfreitag und Ostermonstag zwischen 9 und 12.30h unterrichtet. Karten gibt es für insges. DM 35.- an der Kasse des Bades.


"North Sea Bike Ride"

So lautet der Titel einer 14tägigen Radtour zur vierten Internationalen Nordseeschutzkonferenz in Esbjerg. Die Route folgt einer Teilstrecke der Ostatlantischen Vogelfluglinie. Vom 25.5. bis 7.6. werden RadlerInnen entlang der Küste von Den Helder bis Esbjerg fahren. Am Ende der Tour werden die TeilnehmerInnen den Ministern auf der INK die "Roten Karten" überreichen.

Auf diesen Karten stehen Forderungen, die die ökologischen Bedingungen für eine bessere Nordseewasserqualität beschreiben.

Anmeldungen und weitere Informationen gibt es bei

WWF-Fachbereich Meere und Küsten

"North Sea Bike Ride"

c/o Ökologiestation

Am Güthpol 11

28757 Bremen

Tel: 0421/65846-10

Fax: 0421/65846-12


Aktionskonferenz Nordsee

Im Vorfeld der 4. Internationalen Nordseeschutzkonferenz richtet die Aktionskonferenz Nordsee am 27./28. Mai eine Tagung der Umweltverbände aus. Im Rahmen dieser Tagung wollen die Veranstalter Bilanz ziehen, Perspektive entwickeln und Erfahrungen austauschen. Unter den drei Leitideen "weniger-einfacher-langsamer" sollen Alternativen zu gegenwärtigen Trends diskutiert werden. So soll u.a. in Arbeitsgruppen mit Fachleuten die Rolle von Wissenschaft und Technik ebenso kritisch hinterfragt werden, wie die der herrschenden Politik und der Umweltbewegung. Das Verhältnis von Ökologie und Ökonomie soll genauso untersucht werden wie die Frage, wieviel Umwelttraum uns künfigt noch bleibt. Das Programm der Tagung ist eingebettet in einen Rahmen von Aktion, Information und einer Kunstausstellung.

Die Veranstaltung wird in der Mensa der Hochschule Bremen stattfinden. Die Teilnahme ist kostenlos. Alle weiteren Informationen gibt es bei der

Aktionskonferenz Nordsee e.V.

Kreuzstr. 61

28203 Bremen

Tel: 0421/77675

Fax: 0421/78931


Neonazi-Überfall

Eine Delegation von Wirtschaftsvertretern aus China wurde während der Besichtigung des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald von einer Gruppe Neonazis überfallen. Daraufhin wurden die Gespräche gar nicht erst begonnen und die Delegation reiste ab.


Gegen Sammellager für Kriegsflüchtlinge

Mit Entsetzen und voller Empörung habe er zur Kenntnis genommen, daß die Stadt Oldenburg nun doch ein Sammellager für Kriegsflüchtlin ge aus den Kriegsgebieten Ex-Jugoslawiens einrichte, erklärt der Arbeitskreis Asyl in einer Presseveröffentlichung. Die Zahl der nach Oldenburg kommenden Flüchtlinge rechtfertige in keiner Weise die Einrichtung eines solchen Sammellagers. Die bisherige Praxis habe gezeigt, daß es möglich sei, die Flüchtlinge dezentral in Wohnungen unterzubringen. Dies sei mit Hilfe der Verwaltung, der Wohnungsbaugesellschaften sowie privat engagierter Gruppen geschehen. Dem Arbeitskreis Asyl sei es unverständlich, daß SPD, CDU, Grüne und FDP sich für ein Sammellager einsetzten, das in einer Kaserne auf dem ehemaligen Fliegerhorstgelände gelegen sei. Die Situation sei für die Flüchtlinge schon schwierig genug. Verwaltung und Parteien hätten die Aufgabe, Flüchtlingen bei der Bewältigung ihrer Lebenssituationen zu helfen. Dazu gehöre auch eine menschenwürdige Unterbringung und keine Kasernierung.

Oldenburg habe bis Dezember 94 255 Flüchtlinge aufgenommen. Davon wurden 175 Flüchtlinge dezentral untergebracht. Für ein Sammellager bestehe keinerlei Bedarf. Der Arbeitskreis fordert die Parteien deshalb auf, sich für eine dezentrale Unterbringung einzusetzen.


"Klimabündnis" ignoriert Amazonien

Vertreter der indigenen Organisation CUNPIR, die in Amazonien 40 indigene Völker vertritt, besuchten im Februar Oldenburg. Bei einem Gespräch mit den Grünen äußerten sie ihre Enttäuschung darüber, daß das "Klimabündnis", in dem auch Oldenburg Mitglied ist, keinerlei Bemühungen unternommen hat, Projekte für den Aufbau einer Infrastruktur der indigenen Interessenoranisationen zu unterstützen. Es hat noch nicht einmal diesbezügliche Briefe der CUNPIR beantwortet. Die Grünen werden im Ausschuß für Umwelt- und Landschaftsschutz an Umweltdezernentin Opphard die Frage stellen, ob es nicht sinnvoller wäre, direkt einer indigenen Organisation finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen statt lediglich den Verwaltungsapparat vom "Klimabündnis" zu finanzieren.

Die Grünen äußerten ihr Bedauern darüber, daß die Stadt die Chance versäumt hat, eine direkte Partnerschaft mit einer wichtigen indigenen Organisation einzugehen. Die Vernichtung der tropischen Regenwälder im Amazonasgebiet habe inzwischen katastrophale Ausmaße angenommen. So sei allein im Bundesland Rondonia, das etwa die Größe der BRD hat, innerhalb weniger Jahre 68 % des Waldes vernichtet worden. Praktisch befänden sich nur noch in den indigenen Gebieten größere zusammenhängende Waldgebiete. Jetzt plane die brasilianische Regierung die Öffnung der indigenen Gebiete für Holzfäller, Goldsucher, Mineralbaugesellschaften, große Staudammprojekte sowie Besiedlungsprogramme. Dies würde die Vernichtung der letzten Waldgebiete in Brasilien sowie der überlebenden indigenen Völker bedeuten. Die einzigen, die diesen Prozeß bekämpfen, seien die indigenen Organisationen. In Rondonia ist es die CUNPIR. Doch von Seiten des Klimabündnisses haben sie trotz mehrerer Anfragen bislang keine Hilfe erhalten.


Fahrradmuseum eröffnet

Eine recht große Sammlung historischer Fahrräder können im neueröffneten Fahrradmuseum besichtigt werden. Zu den 160 Exponaten gehören eine Draisine, eine Michauxline, ein Hochrad... Wechselnde Sonderausstellungen sollen zu bestimmten technischen, soziologischen und ökologischen Aspekten des Fahrrades stattfinden


Elektroheizungen umweltfeindlich

Die angeblich energiesparenden Elektroheizungen der Firmen Wibo und Herbo, die in der Werbung angepriesen werden, die der Telefonrechnung beigelegt sind, verbrauchen mehr Energie, sind im Betrieb teurer und umweltfeindlich. Dieses geht aus einer Presseerklärung der Verbraucherzentrale Niedersachsen hervor. Sie vertritt die Ansicht, daß billige Heizlüfter gleichgut (oder schlecht) Strom in Wärme umwandeln wie die teuren der beiden Firmen. Allerdings sei die Verwendung von Heizlüftern ohnehin umweltfeindlich, da in Kraftwerken zwei Drittel der eingesetzten Primärenergie verloren gehen. Dadurch ist der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxyd um das Drei- bis Fünffache höher als zu Erdgasheizungen.


"Ohne uns läuft nichts!"

Unter diesem Motto veranstaltet Umkehr e.V. vom 25. bis 28. Mai den 10. Bürgerinitiativen-Verkehrskongreß in Hamburg. Erwartet werden 300 bis 500 Teilnehmende. Nähere Infos und Anmeldungsunterlagen sind beim Verein erhältlich: Exerzierstr. 20, 13357 Berlin-Wedding, Tel: 030/4927473.


Aktionskonferenz Nordsee

In Bremen soll am 27. und 28.5. die Aktionskonferenz Nordsee (AKN) unter dem Titel: "Nordsee ist mehr als Meer" stattfinden. Näheres bei AKN, Kreuzstr. 61, 28203 Bremen, Tel. 0421/77675


Geh zu Fuß!

fordert der Fuß e.V. anläßlich der UN- Klimakonferenz, denn 20% der Treibhausgase werden vom Auto verursacht.


Wildwasser mit großem Programm

In diesem Jahr bietet Wildwasser wieder Kurse, Veranstaltungen und Treffen zu diversen Bereichen der Thematik "Sexuelle Gewalt". Die genauen Termine können bei Wildwasser erfragt werden: Kaiserstr. 19, OL, Tel 16656. Der Verein bietet außerdem Beratung für Mädchen, die sexuelle Gewalt erfahren haben.


Jazz-Woche Hannover

Das Jazz-Festival der Jazz-Musiker- Initiative Hannover wird vom 20. bis 30. April in der Landeshauptstadt stattfinden. Nähere Infos unter 0511/312288.


Nachbarstreit verhindert Spielen

Seit fast einem Jahr verhindert ein Nachbarschaftsstreit in der Lindenallee, daß Kinder der dortigen Kindertagesstätte im Freien spielen können. Dieses geht aus einer Presseerklärung der Kita hervor. Grund für die Streitigkeit ist die gesetzlich vorgeschriebene Ausweitung der Freifläche und die Weigerung eines Nachbarn, sein Grundstück dafür zur Verfügung zu stellen. Zur Zeit versucht die Stadt eine Vermittlung zwischen beiden Parteien.


Wir brauchen Leute! Stachel


Eine wirkliche Katastrophe

Immer wenn das Interesse der Menschheit und kurzfristiges Profitinteresse übereinstimmen, werden Kapitalisten weitsichtig. Die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG wünscht dem Berliner Klimagipfel viel Erfolg. Sie hat gute - finanzielle - Gründe.

Bei der Vorlage der Weltbilanz von rund 580 Naturkatastrophen des Jahres 1994 erklärte der Leiter der Forschungsgruppe Geowissenschaften in der Rückversicherungs- AG, der Trend zu immer häufigeren und schadenträchtigeren Naturkatastrophen setze sich fort (s. SZ 11.3.). Die Katastrophenprog nosen bis zum Jahr 2000 müßten deutlich nach oben korrigiert werden. Die Schadensversicher ung werde schwieriger und häufig unmöglich. Als Hauptursache sieht auch die Rückversicherungs-AG die Erwärmung der Atmosphäre.

Fast jede dritte Naturkatastrophe weltweit sei 1994 eine Überschwemmung gewesen. Die globale Erwärmung habe dramatische Auswirkungen: So nähmen Sturmaktivitäten durch Temperaturunterschiede zwischen den Polar- und Tropengebieten zu. Die Serie von milden Wintern in Europa und die damit verbundene höhere Sturmhäufigkeit seien Indizien für diese Entwicklung. Alarmierend sei ebenfalls eine Zunahme der Niederschläge, die die Wahrscheinlichkeit von Hochwässern bereits deutlich erhöht hätten. Auch die von lokalen Unwettern ausgelösten Sturzfluten würden als eine Folge der globalen Erwärmung immer häufiger. Die Überschwemmungen in Europa und das "Great-Hunshin"-Erdbeben in Japan Anfang 95 bestätigten diesen Trend.

Der Forschungsleiter der Rückversicherung empfindet diese Entwicklung "immer beunruhigender". Er belegte das mit den Milliardensummen, die solche Schäden verursachen. Er forderte die Politiker zu einer "weltweiten Trendumkehr" auf. Als Maßnahmen schlug er Einsparungen im Energieverbrauch und die Förderung alternativer Energieformen vor. Die Kernenergie (er meinte Atom...) sei dagegen kein Allheilmittel, mit ihr wälze man die Verantwortung auf kommende Generationen ab.

Wacht auf, Wirtschaftsführer dieser Erde! Hört, hört die Signale! Ein von euch berufener Mund hat gesprochen.


2000 Krieger sollen nach Bosnien

Während sich alle Welt erfolgreich darum bemüht, einen Abzug der UNO-Soldaten aus Kroatien zu verhindern, kann der Bundesregierung die Vorbereitung des ersten größeren Bundeswehreinsatzes bei einem ABZUG der Blauhelme nicht schnell genug gehen. Alles wird bereits - ohne Parlamentsbeschluß - munitiös vorbereitet. Am 22. Februar stellte Bundesminister Rühe die Pläne seines Hauses vor: Die Bundeswehr solle rund 2000 Soldaten für einen Balkan-Einsatz bereitstellen. Die Verbände von Heer, Luftwaffe und Marine seien angehalten, eine hohe Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten. Das Heer hätte ein Feldlazarett und zwei medizinische Rettungszentren mit 300 Soldaten nach Kroatien zu schicken. Wenn diese von keiner anderen Nation geschützt würden, müßten zusätzlich 300 Jäger, Fernmelder oder Pioniere entsandt werden. 70 deutsche Offiziere würden Dienst im Einsatzzentrum der NATO bei Sarajevo tun. Die Luftwaffe würde 600 Soldaten, rund ein Dutzend Tornados und ca. 24 Transall-Transporter stellen. Die Marine schickte ebenfalls 600 Soldaten, 14 Schiffe und zwei Flugzeuge. Die Bundeswehrführung ist offensichtlich scharf auf einen Kriegseinsatz. Hoffen wir, daß sie dabei auf genauso viel Unwillen stoßen wie bisher.


Neues zum Asyl

Mit 800 "Asylsachen" mußte sich das Bundesverfassungsgericht 1994 beschäftigen. Das nervt. Da sich die Asyl-Entscheider an den Grenzen hauptsächlich damit beschäftigen, wer möglichst schnell wohin abgeschoben werden kann, und sich einen Dreck um das weitere Schicksal der Flüchtlinge kümmern, da es nach dem neuen Asylgesetz keine Einspruchsmöglichk eit mehr gibt, müssen die Karlsruher RichterInnen immer wieder - oft in letzter Minute - durch Anrufe auf Flughäfen Flüchtlinge vor der Abschiebung in den Verfolgerstaat retten. Solche mühselige Kleinarbeit stärkt die Erkenntnis, daß die Regelung der "sicheren Drittländer" nichts mehr mit Asyl zu tun hat. Nach dem Artikel 16a Asylgesetz haben politisch Verfolgte keinen Anspruch auf Asyl, wenn sie aus einem Mitgliedstaat der Europäischen Union, über einen sogenannten sicheren Drittstaat oder aus einem sicheren Herkunftsland eingereist sind. In einem von Karlsruhe bestellten Gutachten zum Fall eines Asylbewerbers, der von Iran über Griechenland nach Deutschland gekommen war und deshalb abgeschoben werden sollte, hat das Hohe Flüchtlingskommissariat der UNO betont, daß Griechenland "kein sicheres Drittland" sei. Wie die Richterin Limbach im Februar mitteilte, wird Karlsruhe noch in diesem Jahr über den neuen Grundgesetzartikel 16a entscheiden. Die bisherigen Erfahrungen werden wohl ein kritisches Urteil bestärkt haben.


OB und Wandscher für Kriegerhorst

Als "skandalösen Alleingang" bezeichnete die Ratsfraktion der Grünen eine Initiative von Oberbürgermeister Holzapfel und Oberstadtdirektor Wandscher: Diese hatten sich, ohne den Rat zu informieren, an höherer Stelle für eine weitere militärische Nutzung des Fliegerhorstes eingesetzt. Nun, so die Grünen, werde deutlich, warum der Fliegerhorst im Vorentwurf zum neuen Flächennutzungsplan nur mit einem dürren, nichtssagenden Satz erwähnt sei. Dabei sei es unvernünftig, mit ungeheuerem Landschaftsverb rauch neue Gewerbe- und Wohngebiete auszuweisen, gleichzeitig die 224 Hektar große Fliegerhorst-Fläche aber nicht in die Planung einzubeziehen.


IWF-Hilfe gegen Tschetschenien

Einen Kredit von 8,68 Milliarden DM wird die russische Regierung jetzt vom Internationalen Währungsfond erhalten. Ohne diese Hilfe hätte der Moskauer Haushalt nicht beschlossen und der Krieg im Kaukasus nicht weitergeführt werden können.


UNO bittet Deutschland um Aufnahme von Flüchtlingen

Die UNO sucht für 32 000 Flüchtlinge ein "sicheres Drittland". Ihnen sei die Rückkehr in die Heimat verwehrt, und in ihrem jetzigen "Erstzufluchtsland" fänden sie keinen dauerhaften Schutz. Als Beispiel nannte das Flüchtlingskommissariat iranische Flüchtlinge in der Türkei, Iraker in Saudi-Arabien und Afghaner in Rußland.


Gewaltopfer sind meist Frauen

Zum Weltfrauentag hat amnesty international auf 212 Seiten Menschenrechtsverletungen an Frauen aufgezählt. Frauenrechte werden noch immer nicht als Teil der Menschenrechte akzeptiert. Bei der jüngsten Sitzung der UNO- Menschenrechtskommission in Genf habe sich keine Regierung gefunden, die eine Verurteilung der Ereignisse in Algerien in eine Resolution gefaßt hätte, beklagte der deutsche amnesty-Generalsekretär in Bonn. Noch immer würden Frauendiskriminierungen, selbst wenn sie in Gewalt endeten, mit kulturellen Hintergründen entschuldigt. Dies gelte bisweilen auch für die Bundesrepublik: So verweigerte ein deutsches Gericht einer Iranerin mit der Begründung Asyl, als Mutter eines unehelichen Kindes habe sie zwar in Iran mit Auspeitschung zu rechnen. Dies sei aber, so das Urteil, "keine politische Verfolgung" und zeige nur, daß die Frau den islamischen Moralvorstellungen nicht entsprochen habe.

Frauen würden oft Opfer einer doppelten Verfolgung. In der Türkei würden Frauen oft in der Haft vergewaltigt oder zu "Jungfräulichkeitstests" gezwungen, während sie im Sudan für Verstöße gegen die Kleiderordnung ausgepeitscht würden. Gewalt gegen Frauen und politische Diskrimierung seien untrennbar verbunden. Vergewaltigungen als Mittel der Kriegsführung gebe es immer wieder, wo ethnische Zugehörigkeit als Propagandawaffe eingesetzt werde. Die meisten Flüchtlinge, die meisten Kriegsopfer oder Opfer von Gewalt seien Frauen. Amnesty will mit der Frauen-Kampagne erreichen, daß weltweit Frauen unterstützt werden, die selbst aktiv gegen Diskrimierungen vorgehen; auch solle dieses Thema bei der 4. UNO- Weltfrauenkonferenz im September im Peking nicht nur mit hohler Phraseologie behandelt werden.


Ohne Zweckverband kein Geld!

Für die Gründung eines länderübergreifenden Zweckverbandes im Gebiet des Verkehrsverbunde s Bremen-Niedersachsen (VBN) haben sich die Grünen-Landtagsfraktion und der VBN- Vorsitzende ausgesprochen. Die Grünen erklärten, wenn von den Finanzmitteln zur Verbesserung des öffentlichen Personennahverk ehrs nicht nur die Großräume Braunschweig und Hannover profitieren sollten, müsse ein solcher Schritt rasch erfolgen. Die Kreise in der Region um Oldenburg drohten von der Landesregierung über den Tisch gezogen zu werden: Bereits jetzt würden Grünen-Anträge zu Lückenschlüssen im Ost-West-Schienennetz mit dem Hinweis fehlender Mittel zurückgewiesen. Trotzdem erklärte der Wirtschaftsminister, es seien bis zum Jahr 2001 noch 1,6 Mrd. DM für andere Gebiete verfügbar, nur leider gebe es hierfür keine planungsreifen Anträge. Durch Untätigkeit in ländlichen Regionen besorge sich die Landesregierung die Rechtfertigung für eine Mittelkonzentration auf Hannover und Expo. Dem könnten die Landkreise nur begegnen, indem sie auch im Nordwesten Nahverkehrsregionen und damit die gesetzlich bevorzugten "Verdichtungsräume" gründeten.

Die Verwirklichung der bereits geplanten Bahn- und Straßenbaumaßnahmen erfordere weit mehr als die zur Verfügung stehenden Mittel: Unsicher sei deshalb auch die Realisierung des Ausbaus der Bahnstrecken Oldenburg-Osnabrück (24 Mio. DM), Leer-Groningen (23 Mio. DM) und Esens-Sande (19 Mio. DM). Nach Berechnungen der Grünen verbleiben von den bis zum Jahr 2000 zugesagten 900 Millionen DM für die Fläche bestenfalls eine halbe Milliarde DM. Die Realisierung von Projekten müßte z.T. hart gegen die Expo-Wünsche erkämpft werden.


Staatsanwalt erklärt Antifa für kriminell

Die Antifa Göttingen ist nach der Vorstellung der Celler Generalstaatsanwaltschaft eine "kriminelle Vereinigung" gem. @ 129 I StGB. Mit allen Mitteln wurde unter Antifaschisten Südniedersachsens gesucht und kriminalisiert: Eine eigens eingerichtete Sonderkommission SOKO 606 hörte in weniger als zwölf Monaten knapp 14.000 Telefongespräche ab, observierte vermeintliche Mitglieder der Antifa 24 Stunden täglich und ermittelte gegen zahlreiche Gruppen, Institutionen und Mitglieder der Göttinger Grünen direkt und indirekt. Die Landtagsgrünen bezeichneten dies als "bewußte Kriminalisierung durch rechte Kräfte in Polizei und Justiz" gegen Gruppen des antifaschistischen Bündnisses Göttingen und bereiten eine parlamentarische Initiative vor. Über den erstaunlichen Tatendrang gegen Antifaschisten in Zeiten des schrecklichen rechten Terrors gibt es ausführliche Informationen in der März- Ausgabe der Alhambra-Zeitung.


Ausbildung von JugendcampleiterInnen

Die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienst e (IJGD) organisieren jährlich über 100 internationale Camps und Jugendwochen. Diese dauern in der Regel drei bis vier Wochen und finden während der Oster- und Sommerferien in der gesamten Bundesrepublik statt. Gegründet haben sich die IJGD wenige Jahre nach dem 2. Weltkrieg unter dem Eindruck des Krieges und der Folgen des Faschismus, um in einer internationalen Gruppe einen Beitrag zur Völkerverständigung und zum Frieden zu leisten.

In den Workcamps treffen sich Leute aus allen westeuropäischen und vielen osteuropäischen Ländern, Nordafrika, Kanada, den USA, aus Asien und Australien. Gemeinsam arbeiten sie an einem gemeinnützigen Projekt aus den Bereichen Umweltschutz, Kinderbetreuung, Alten- und Behindertenarbeit, gemeinnützige Einrichtungen, Ausgrabungen, Museumsdörfer, Restaurierungsarbeiten an Fachwerkhäusern etc. Die Prinzipien des IJGD sind Internationalitä t, Freiwilligkeit und Gemeinnützigkeit (ohne Bezahlung), Selbstorganisation, soziales Lernen und Emanzipation der Geschlechte.

Wer jetzt Interesse bekommen hat, sich zu eine/r/m Leiter/in von Workcamps ausbilden zu lassen, melde sich bei IJGD-Nord, Katharinenstr. 13, 31135 Hildesheim, Tel. 05121-15210, und bestelle die Info-Broschüre über die ijgd-Ausbildungsseminare - oder entscheide sich gleich für ein Seminar.

Gegen Sammellager für Kriegsflüchtlinge


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