Oldenburger STACHEL Nr. 2/95

Klein-i macht Karriere

Kürzlich sorgte die kleine Stadt Buchholz in der Nordheide mit ihrer Hauptsatzung für Aufsehen. Darin wurde nämlich festgelegt, daß künftig bei Amtsbezeichnungen nur noch die weibliche Form verwendet werden soll. So wie früher bei Ratsherren, Bürgermeister und Bürger die Frauen immer mitgemeint waren, sind es jetzt die Männer, wenn von Stadtdirektorin, Dezernentinnen und Beamtin die Rede ist.

Die Stadt Buchholz führt ein, was die Fachschaftszeitung "caféte" vor Kurzem aufgab. Die Sozialwissenschaftlerinnen fanden es nämlich falsch, von der AStA-Druckerin zu sprechen, die ein Mann war. Dieses Problem soll es nach Meinung der Stadtdirektorin, Andreas Bendt, nicht geben. Die weibliche Form werde nur auf Funktionsbeschreibungen im abstrakten Sinn angwendet. Dort also, wo vielfach das große "I" auftaucht. Der Sinn geht in Buchholz also nicht baden und komplizierter werden die Formulierungen auch nicht.

Die umständlichen Sprechverrenkungen, die bei der Doppelform nötig sind, waren besonders in konservativen Kreisen ein Dorn im Auge. So schlug Jürgen Kempf (FDP!) vor, die weibliche Form einzuführen. Prompt erhoben sich 24 Finger (darunter sogar welche von der CDU) für die Sprachreform und sechs (davon einige Schrägstrich-Fans der SPD) dagegen.

Martha Vogelsang, Frauenbeauftragte der Stadt Buchholz, ist zufrieden. "Sprache ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Wenn Frauen in der Sprache der Hauptsatzug einer Stadt nicht vorkommen, dann sagt dieses Spiegelbild durchaus etwas über diejenigen aus, die diese Satzung gemacht haben und über diejenigen, für die sie gemacht worden ist."

Ob und wann dieses frauenpolitische Signal andere Städte und alternative Kreise erreicht, ist ungewiß. Wie jedenfalls sind gespannt, wann wohl der erste Text in dieser Form eingereicht wird.

muh


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