Oldenburger STACHEL Nr. 2/95

Stacheln auf der Autobahn

Seit November letzten Jahres probiert der Stachel einen neuen Verbreitungsweg aus. Seit diesem Zeitpunkt erscheinen die Stachel-Ausgaben in einem weiteren elektronischen Medium, der Norddeutschen Datenautobahn.

Die Stachel-Artikel liegen dort auf Abruf bereit und werden auf Wunsch angezeigt. Tagtäglich werden sie von interessierten Personen aus aller Welt gelesen.

Datenautobahnen

Schon seit zig Jahren geistert der Begriff der "Datenautobahn" durch die Literatur. Darunter wurde meistens die Aufgabe des Staates verstanden, eine Infrastruktur zu schaffen, die jedem Bürger die Möglichkeit geben soll, in der "Informationsgesellschaft" zu bestehen. In diesem Zusammenhang wurde besonders aus alternativen Kreisen immer wieder die "Informierte Gesellschaft" als Gegenstück zur wirtschaftlichen Entwicklung zur "Informationsgesellschaft" gefordert.

Das ist eine sehr ideelle und interessante Forderung, schließlich bedeutet Information heutzutage alles und warum sollte diese in den Händen von Behörden und Firmen bleiben? Andererseits bedeutet das aber, daß jeder Bürger die Möglichkeit erhalten muß, an diese Informationen zu gelangen.

Und in Niedersachsen?

Auf der Norddeutschen Datenautobahn oder kurz: NDA fahren keine Autos und Radfahrer, sondern nur Bits und Bytes. Daraus wird schon ersichtlich, daß zur Teilnahme Computer benötigt werden. Die NDA ist nämlich ein Rechnerverbund im norddeutschen Raum. Auf ihr präsentieren sich Organisationen, Firmen und Zeitungen.

Die Betreiber der NDA, eine hamburger und eine kieler Firma, haben spezielle Leitungen in dieser Region gemietet, um hohe Geschwindigkeiten zu gewährleisten. So sind z.B. die Universitäten in Oldenburg und Bremen auf diese Weise mit der NDA verbunden.

Für Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses Projektes bedeutet das einen sehr schnellen Zugriff auf die in der NDA gespeicherten Daten. Neben dem Oldenburger Stachel sind dort z.B. der Spiegel, Computerzeitschriften, mehrere Buchhandlungen und die Regenwald-Initiative der GEO vertreten.

Teilnehmen könnten alle

Leider kann nur theoretisch jede Person auf die NDA zugreifen. Praktisch müssen dazu einige Voraussetzungen erfüllt sein. Es muß ein mittelmäßig leistungsfähiger Computer vorhanden sein. Damit kann man aber noch keine Verbindung zur NDA herstellen. Dafür ist noch ein sogenanntes Modem nötig, der dann an die Telefonleitung angeschlossen wird. Erst jetzt sind die technischen Voraussetzungen geschaffen. Nun fehlen lediglich noch eine Zugangsberechtigung auf einem Verbindungsrechner, die kostenpflichtig ist, und die entsprechenden Programme, die in der Regel aber frei verfügbar sind.

Unser Modellprojekt

Mit unserem Angebot auf der NDA möchten wir unsere Leserschaft erweitern, was uns wohl auch gelungen ist. Gerade für Menschen, die aus beruflichen oder anderen Gründen in eine andere Stadt oder in ein anderes Land gezogen sind, ist dieses Angebot von Interesse.

Wir wollen ebenfalls antesten, wie eine solche elektronische Ausgabe überhaupt bei unserer Leserschaft ankommt. Wie wird sie genutzt? Wird sie überhaupt genutzt? Wie reagieren Leserinnen und Leser auf die Möglichkeit, uns ohne weitere Umstände und Kosten Mitteilungen und Leserbriefe zu schicken?

Aber auch die Akzeptanz und der Erfolg von Werbung soll untersucht werden. Als Leser habe ich die Möglichkeit, selektiv zu lesen - teilweise ohne daß ich die Werbung sehe. Daher werden an die Werbenden ganz andere Ansprüche gestellt, denn solche Seiten müssen immer wieder interessant sein, damit sie öfter als nur einmal angesehen werden.

Dieses Medium ist viel zu neu und es unterscheidet sich viel zu stark von herkömmlichen, als daß schon im Vorfeld verläßliche Aussagen gemacht werden könnten.

Außerdem möchten wir das Feld des elektronischen Publizierens nur höchst ungern kommerziellen Anbietern und konservativen Zeitschriften überlassen. Auch auf diesem Gebiet möchten wir mitmischen und unsere Meinung verbreiten.

Erste Reaktionen

Anhand der Mitteilungen, die wir als Reaktion auf unsere Artikel auf der NDA erhalten haben, ist ersichtlich, daß wir auch dort von vielen Leuten gelesen werden.

Die geneigte Leserin mag an dieser Stelle vielleicht befürchten, daß wir so langsam auf das elektronische Publizieren umsteigen und die Papierausgabe einstellen wollen. Das wird natürlich nicht passieren. Die drei elektronischen Ausgaben (siehe auch Stachel 12/92 und 10/94) stellen nur ein Zusatzangebot dar, das wir unseren Leserinnen und Lesern anbieten möchten. Das Printmedium ist immer noch der Hauptverbreitungsweg des Stachels und wird es auch noch lange bleiben.

mgss


Diese Veröffentlichung unterliegt dem Impressum des Oldenburger Stachel. Differenzen zur gedruckten Fassung sind nicht auszuschließen.
Nachdruck nur mit Quellenangabe, Belegexemplar erbeten.