Oldenburger STACHEL Nr. 2/95

Bericht einer Rundreise von Botschaft zu Botschaft,
um Pässe für die Abschiebung zu erhalten...

Von den Liberianern Joseph Stanlay, geb. 31.5.1975, wohnhaft OL, Klostermark, und Red Faye, geb. 8.3.1975, wohnhaft s.o.

Am Mittwoch, den 11.1.1995 fuhren wir um 6.00 Uhr morgens mit drei Polizisten in einem VW-Bus nach Bonn.

Wir trafen um 10.00 Uhr in Bonn ein und warteten etwa bis 11.00 Uhr vor der Botschaft von Mali. Gegen 11.00 Uhr erschien eine weitere Person, die uns jedoch nicht vorgestellt wurde. Diese Person begab sich alleine in die Botschaft von Mali und kam nach etwa fünf Minuten zurück. Er nahm vorne im Bus Platz, der Polizist, der vorne gesessen hatte, setzte sich zu uns nach hinten.

Dann dirigierte die dazugekomene Person den Bus zur Botschaft von Liberia.

Ich Red Faye betrat mit einem Polizisten und dem dazugekommenen Mann die Botschaft, zuerst warteten wir und gingen dann in einen anderen Raum, in dem wir Platz nahmen. Von der Botschaft erschienen ein Mann und eine Frau. Diese begannen mich zu befragen.

Man fragte mich, woher ich komme und nach weiteren Ortsnamen. Ich habe diese Fragen beantwortet. Auch nach dem Distrikt frage man mich. Auch dies beantwortete ich.

Dann frage man mich, zu welchem Stamm ich gehöre. Ich sagte ihnen, daß ich zum Stamm der Mantingo gehöre. Der Mann und die Frau von der Botschaft konnten aber nicht meine Muttersprache. Sie sprachen nur Englisch mit mir. Nach fünf Minuten war das Gespräch zu Ende. (In Liberia haben wir 16 verschiedene Stämme und Sprachen).

Der in Bonn dazugekommene Mann unterhielt sich noch in Deutsch mit den Botschaftsangehörigen, ich habe davon nichts verstanden.

Die Botschaftsangehörigen sagten mir nach dem Gespräch, daß ich nicht Liberianer sei. Ich sagte ihnen darauf, daß ich Liberianer sei.

Dann gingen wir zum Bus zurück und fuhren zu der Botschaft von Mali zurück.

Hier gingen wir beide, R.F. und J.S. mit dem Bonner Mann in die Botschaft und nahmen in einem Warteraum Platz.

Zuerst bat man mich, J.S., in einen anderen Raum. Hier fragte mich ein Mann von der Botschaft, ob ich Englisch spreche. Ich bejahte. Dann fragte er mich nach dem Namen meiner Mutter und meines Vaters. Er fragte mich weiter, ob ich Deutsch spreche. Ich verneinte. Er unterhielt sich dann mit dem Bonner Mann und deutsch und sagte mir, daß ich gehen könnte. Ich setzte mich zu R.F., der dann in den Raum gerufen wurde.

Mich, R.F. fragte der Botschaftsangehörige in meiner Muttersprache nach dem Namen meiner Eltern. Ich antwortete. Dann fragte der Botschaftsangehörige danach, ob ich französisch spreche, ich verneinte.

Dann sagte mir der Botschaftsangehörige, daß ich nicht aus Mali komme. Dann sagte der Botschaftsangehörige in Englisch zu dem Bonner Mann und mir, daß wir es in einer anderen Botschaft versuchen sollten.

Wir gingen mit dem Bonner Mann und den beiden Polizisten zum VW-Bus zurück. Wir fuhren dann zu der nigerianischen Botschaft.

Da mußten wir etwa 10 Minuten warten, während der Bonner Mann in die Botschaft ging und zurückkam. Dann fuhren wir weiter zur Botschaft von Sierra Leone. Es war etwa 13.30 - 14.00 Uhr. Jetzt kam ein zweiter Bonner Mann hinzu. Dieser ging in die Botschaft und kam nach 10 Minuten zurück. Er ging mit mir, R.F., in die Botschaft. Der 2. Bonner Mann übergab in der Botschaft Papiere, ich weiß nicht, welcher Art.

Der Botschaftsangehörige befragte mich in Englisch und dann in Malinko nach den Namen meiner Eltern und nach meinem Heimatland. Ich sagte ihm, daß ich Liberianer bin. Er sagte mir dann, daß ich gehen könnte. Er unterhielt sich dann noch kurz mit dem 2. Bonner, während ein Polizist und ich zum Auto zurückgingen.

Wir fuhren dann zur nigerianischen Botschaft.

Hier ging ich, J.S., mit den fünf Deutschen in die Botschaft. R.F. verblieb im abgeschlossenen Bus.

Hier mußte ich mit den drei Oldenburger Polizisten warten, während die zwei Bonner Männer weitergingen. Ich mußte dann ca. 45 Minuten warten.

Es war inzwischen 15.00 Uhr und jemand kam und sagte, daß die Botschaft geschlossen wird.

Die drei Polizisten und ich gingen zum Empfang. Hier warteten wir mit den 2 Bonner Männern ca. 15 Minuten. Dann kam ein Botschaftsangehöriger und sagte, daß ich kommen könnte. Die Polizisten, die zwei Bonner und ich gingen in den Raum. Hier sagte der Botschaftsangehörige, daß zu viele Menschen anwesend sind und schickte die Bonner und die Oldenburger Polizisten aus dem Zimmer.

Dann fragte er mich, woher ich komme. Ich sagte aus Liberia. Er sagte mir daraufhin, daß er annehme, daß ich aus Nigeria komme. Ich war ärgerlich und sagte ihm, daß ich nicht aus Nigeria, sondern aus Liberia komme. Er sagte dann, daß er keine Zeit für mich habe, weil geschlossen ist. Ich sagte daraufhin, daß ich nicht aus seinem Land bin, sondern aus Liberia. Er sagte daraufhin, jetzt sei Schluß, wir schließen, ich will der Polizei helfen und ihr Reisedokumente für Sie geben. Ich antwortete, daß ich n

icht in sein Land gehen kann. Der Botschaftsangehörige sagte daraufhin zu mir, daß ich in sein Land gehen könnte, und den Weg nach Liberia finden könnte. Ich sagte ihm, daß ich auf diesem Weg sterben könnte, denn ich kenne niemanden in seinem Land. Er sagte daraufhin, daß dies nicht sein Problem sei, ich solle das Büro verlassen, sie schließen. Er ging aus dem Büro, ich folgte ihm.

Vor dem Büro standen die 3 Oldenburger und die zwei Bonner Männer. Der Botschaftsangehörige sagte zu diesen, daß er mit mir fertig sei und sie mich mitnehmen könnten. Er will ihnen die Papiere für die Person am nächsten Tag geben.

Wir verließen darauf die Botschaft und gingen zum VW-Bus, die Bonner gingen weg.

Wir fuhren nach Oldenburg zurück.

Hier fuhren wir zum Gefängnis, und ich wurde eingesperrt. Es war etwa 21.00 Uhr. Ich, R.F. wurde bis zur ZAST gefahren.

Wir haben morgens vor sechs gefrühstückt, gegen 19.00 Uhr einen Hamburger gegessen und eine Cola getrunken.

Übersetzt und nicht fehlerfrei niedergeschrieben durch Reinhold Kühnrich,

Am Festungsgraben 10, 26135 Oldenburg, Tel.+Fax 0441/ 1 56 62


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