Oldenburger STACHEL Nr. 2/95

Energiewende in Oldenburg
oder: So ein einsames BHKW ist schon was

Wir sehen aus dem Fenster und sehen ein Wetter, das wir eigentlich nur im Herbst, aber nicht im Winter erwarten.

Wir sehen die Nachrichten im Fernsehen und sehen, da  viele Gebiete bereits ihre dritte ,Jahrhundertflut" in diesem Jahrzehnt haben. Und wir h"ren auch, da  das sehr viel Geld kostet, wenn es denn nur dabei bleibt.

Machbarkeit heißt niedriger Energiepreis

Hier in Oldenburg gab es auch etwas zu sehen, nämlich die Sitzung des Umweltausschusses, auf der die Niedersächsische Energieagentur (NEA) ein Gutachten über die Machbarkeit von Blockheizkraftwerken (BHKW) in Oldenburg vorstellte. Diese BHKW müssen fuer eine lange Zeit der tragende Fuß eines effizienten Einsatzes von Energie in unserem Land sein. Doch ich muß mich korrigieren: es war kein Gutachten über die Machbarkeit von BHKW in Oldenburg. Denn machbar sind sie überall und ökologisch sinnvoll überall dort, wo Wärme benötigt und Strom verbraucht wird. Also fast überall. Nein, es war ein Gutachten über die Wirtschaftlichkeit von BHKW an wenigen zuvor herausgeklaubten Standorten. Und Wirtschaftlichkeit bedeutet hier der Energiepreis, der beim Betrieb des BHKW entsteht im Vergleich mit anderen Techniken, die nur Wärme erzeugen. Der Strom würde dann woanders mit einem beschämenden Wirkungsgrad von ca. 40 % zusätzlich erzeugt. Doch das ist nur aus ökologischer Sicht interessant, denn wirtschaftlich ist das ein P""Hier in Oldenburg gab es auch etwas zu sehen, n,mlich die Sitzung des Umweltausschusses, auf der die Nieders,chsische Energieagentur (NEA) ein Gutachten über die Machbarkeit von Blockheizkraftwerken (BHKW) in Oldenburg vorstellte. Diese BHKW müssen fuer eine lange Zeit der tragende Fu  eines effizienten Einsatzes von Energie in unserem Land sein. Doch ich mu  mich korrigieren: es war kein Gutachten über die Machbarkeit von BHKW in Oldenburg. Denn machbar sind sie überall und "kologisch sinnvoll überall dort, wo W,rme ben"tigt und Strom verbraucht wird. Also fast überall. Nein, es war ein Gutachten über die Wirtschaftlichkeit von BHKW an wenigen zuvor herausgeklaubten Standorten. Und Wirtschaftlichkeit bedeutet hier der Energiepreis, der beim Betrieb des BHKW entsteht im Vergleich mit anderen Techniken, die nur W,rme erzeugen. Der Strom würde dann woanders mit einem besch,menden Wirkungsgrad von ca. 40 % zus,tzlich erzeugt. Doch das ist nur aus "kologischer Sicht interessant, denn wirtschaftlich ist das ein Problem anderer Leute.

Gut, nehmen wir endgültig Abschied von der eigentlichen Zielsetzung, den CO2-Ausstoß in Oldenburg drastisch zu reduzieren, und lauschen nur noch dem Geschehen.

Ganze fünf Standorte untersucht

Es wurden also Standorte mit Wohnbebauung am Osterkampsweg, in der Kennedystraße und im Gebiet Alexanderstraße-Görlitzerstraße betrachtet. Ebenfalls kamen in die Untersuchung der Europaplatz mit der Weser-Ems-Halle, Hotel und BBS II und das Schulzentrum Eversten. Das ist schon eine ganze Menge, auch wenn Oldenburg etwas groeßer ist. Der Vortragende der NEA zeigte den Anwesenden immer drei Varianten bei der Kostenberechnung, denn wie gesagt, das war das Kriterium. Er verglich den Wärmepreis, der entsteht, wenn a) die bestehenden Anlagen einfach erneuert werden, b) ein BHKW von der Stadt oder der Baugesellschaft betrieben wird und c) die EWE der Betreiber ist. Da gab es von Ort zu Ort natürlich Unterschiede. Seltsam war nur, daß die EWE fast immer teurer als die Stadt war. Wie das käme, wurde gefragt. Und die Antwort lautete, daß die Ergebnisse auf Grundannahmen beruhen, die von NEA und EWE verschieden angesetzt werden. So geht die EWE von höheren Finanzierungszinsen als die Stadt aus. Wie das bei einem Unternehmen kommen kann, das aus seinen Rücklagen reihenweise Klärwerke aufkauft, bleibt dahin gestellt. Wichtiger war eigentlich die Aussage des Managements der EWE, daß die von ihr zu betreibenden BHKW nur 10 Jahre laufen. Die NEA geht aufgrund von Erfahrungen mit 15 Jahren in die Berechnung. Ja, da freut sich der sonst zu recht auf seine Arbeit stolze EWE-Arbeitnehmer, daß seine Chefs ihn für unfähig halten, so eine Maschine über ihre prolektierte Laufzeit in Gang zu halten. Das schaffen doch selbst kleine Stadtwerke, die noch mechanische Rundsteuerempfänger einbauen. Desweiteren muß der Strom aus den BHKW schlecht schmecken oder häßlich aussehen, denn die EWE will ihn nicht so hoch bewerten, wie es sinnvoll wäre. Das gilt übrigens nicht nur für den Eigenbetrieb, sondern ganz besonders für die Vergütung von Einspeisern.

Das ist es: Eversten soll BHKW bekommen. Ist es das?

Nach diesen Erkl,rungen stellten die Mitglieder des Ausschusses zufrieden fest, da  doch zumindest das Schulzentrum Eversten eine ungeteilt gute Prognose erhalten hatte und jetzt auch Geld für die weitere Planung bereitgestellt werden sollte. Als die Vertreter der EWE dann noch erz,hlten, sie würden auch ohne Machbarkeitsstudie ein BHKW im Krankenhaus Kreyenbrück in Planung haben, da es gewinnbringend sei, ernteten sie Beifall und nach der Ankündigung, da  die EWE auch noch mit anderen Unternehmen in Verhandlung über die Installation von BHKW sei, kannte der Jubel fast keine Grenzen. Wie w,re denn der Jubel richtig grenzenlos, wenn die EWE ihre Verhinderungsvorgaben endlich korrigieren würde und sich an die Arbeit machen würde, die da hei t: CO2-Reduktion in ihrem Wirkungsbereich, wie von der Bundesrepublik in Rio versprochen.

Gutachten von geschaffenen Tatsachen entwertet ?

Doch es gab noch weitere Wunderlichkeiten. So sind an den Standorten Weser-Ems-Halle und bei den GSG-Wohnungen Alexanderstraße-Görlitzerstraße bereits Heizungssanierungen in Angriff genommen worden, ohne das Ergebnis des Gutachtens abzuwarten. War von dieser Seite das Gutachten so unwichtig fuer weitere Entscheidungen, daß nicht einmal Rücksprache gehalten wurde? Mit den erfolgten Maßnahmen mindert sich der Aussagewert des Gutachtens beachtlich. Verwunderlich besonders, da es sich um zwei Unternehmen handelt, bei denen die Stadt finanziell stark engagiert ist. Ob die begonnenen Maßnahmen zudem mieterfreundlich sind, werden wir zu einem späteren Zeitpunkt untersuchen.

Allgemein wurde festgestellt, da  die Baugesellschaften nicht mehr so ein Interesse an den BHWK h,tten wie am Beginn der Untersuchung. Sie h,tten sich wohl groe ere Kostenreduktionen versprochen. Genau, weil doch klar sein sollte, da  Umweltschutz nicht nur zur Sicherung unserer Lebensgrundlagen beitragen soll, sondern gerade bei der Energieversorgung auch noch Geld sparen mu . Das Geld, das für Sch,den von Klimaver,nderungen oder

Atomunfällen ausgegeben werden muß, ist wieder ein Problem anderer Leute. Doch in einer Stadt, die z. Zt. noch gerade 10m über Normal Null liegt und keine 50km Entfernung zum nächsten AKW besitzt, kann sich das auch ganz schnell ändern.

Das Positive im Artikel

und das Resümee

Zu loben nach dieser Menge an Zufriedenheit innerhalb des Ausschusses und dem Verkennen, welche geringe Reichweite die gemachten Schritte haben, sind die Bemühungen der NEA, die Planungen für das Schulzentrum weiterzubringen. Ebenso lobenswert ist die Vermittlung des Umweltdezernates von Kontakten zu bereits BHKW-betreibenden Baugesellschaften, um den hiesigen Baugesellschaften im Dialog mit Branchenkollegen weitere Berührungsängste zu nehmen und damit einen Prozeß in Gang zu bringen. Ein Prozeß, der noch lang anhalten muß, wenn wir wirklich eine Veränderung in Oldenburg schaffen wollen. Eine Alternative dazu gibt es nicht (1""Zu loben nach dieser Menge an Zufriedenheit innerhalb des Ausschusses und dem Verkennen, welche geringe Reichweite die gemachten Schritte haben, sind die Bemühungen der NEA, die Planungen für das Schulzentrum weiterzubringen. Ebenso lobenswert ist die Vermittlung des Umweltdezernates von Kontakten zu bereits BHKW-betreibenden Baugesellschaften, um den hiesigen Baugesellschaften im Dialog mit Branchenkollegen weitere Berührungs,ngste zu nehmen und damit einen Proze  in Gang zu bringen. Ein Proze , der noch lang anhalten mu , wenn wir wirklich eine Ver,nderung in Oldenburg schaffen wollen. Eine Alternative dazu gibt es nicht (10m ü. NN, keine 50km), nur immer wieder Phasen von Verdrängung.

Abschlie end kann ich trotz geschilderter M,ngel feststellen, da  hier der richtige Weg eingeschlagen wurde, da  solche Prozesse mit vielen Beteiligten schwierig sind und die ersten Schritte die kürzesten sind. Aber festzustellen bleibt auch, da  es Kr,fte gibt, die von diesem Weg ablenken wollen oder von ihm unberührt bleiben. Hier ist neben der repr,sentativen Demokratie, die ihre Grenzen schnell findet, eine Einmischung von Bürgern gefordert, die nicht im Korsett von Verordnung und Gesch,ftsordnung stecken. Wir werden also weitermachen müssen.

Thomas Myslin

Oldenburger Energierat e.V..


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