Verbrennen hat in Deutschland Tradition. Am lebendigen Leibe vom Feuer gesiedet werden - eines der qualvollsten und erschreckendsten Tode, die mensch sich vorstellen kann. Deshalb war und ist diese Tötungsart auch bei den Herrschern so beliebt, die sich ohne Rücksicht auf Menschenleben durchsetzen woll(t)en. Ketzer und Hexen in der frühen Neuzeit, "Reichskristallnacht", Judenverbrennung in offener Feuergrube bei lebendigem Leibe, Krematorium, Feuersturm über die Wohnviertel von Coventry und Hamburg, Napalm über Vietnam und Bihac... Und in Deutschland heute wieder: brennende Synagoge in Lübeck, brennende Flüchtlingsheim e, brennende nichtdeutsche Gaststätten, brennende Flüchtlinge und Nichtblondgermanisc he... Die Nazis machten dabei noch nie einen Unterschied zwischen Sachen und Menschen, die Signalwirkung war und ist entscheidend. Vom Reichstagsbrand über die Bücherverbrennun g bis zum KZ-Krematorium war es nur ein kurzer Weg. Ob in Rostock-Lichtenhagen nur das Asylheim oder auch Asylsuchende brannten, war den ewig reichsdeutschen "Ausländer raus"-Schreiern schnurz piepe: Im Effekt wurde das Asylgesetz abgeschafft und wurden die Fremden wegtransportiert, darauf kam es an!
Wer diesem (Mord-)Brennen Einhalt gebieten will, muß durchsetzen, daß das BRENNEN als Form der politischen Auseinandersetzung von der Gesellschaft absolut geächtet - und von der Polizei nicht nur als "kleines Alkoholproblem" behandelt wird.
Wie der NWZ vom 22.11. zu entnehmen ist, hat eine "Familie Feuerschein", die sich in ganz undemokratischer Tradition gleichzeitig zu Richtern, Anwälten und Exekutoren ernannte, am 18.11. einen Brandanschlag auf das Auto des Leiters der "Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber" (ZASt) verübt. Begründung: Protest gegen Massenabschiebungen und Abschaffung des Asylrechts. Wie will diese "Familie" Leuten den Unterschied erklären, wenn z.B. Nazis ähnliche Brandanschläge auf Autos von Verantwortlichen in Blankenburg versuchen, um eine Schließung des Lagers zu erreichen?
Wir nehmen keine Stellung zu der Verantwortung des Leiters von Blankenburg, wenn wir mit dieser Erklärung den Brandanschlag der "Familie Feuerschein" aufs schärfste ablehnen. Allein öffentliche Auseinandersetzungen mit den fremdenfeindlich en Meinungen und Maßnahmen in Deutschland können Raum für ein bißchen mehr Asylrecht schaffen - Versuche, Verantwortliche der unteren Ebene durch Brennen einzuschüchtern oder zu bestrafen, liefert nur den fremdenfeindlichen Law-and-order-Menschen Munition in die Hand.
Wir können uns vorstellen, daß diese Stellungnahme einige recht hart trifft. Wir hoffen, daß trotzdem eine politische Diskussion möglich ist. Die 16 Seiten des Stachel stehen dafür zur Verfügung.
Redaktion