Zweieinhalb Jahre lang war es ruhig um die Anbaupläne der Universität. Damals gab es einen Architektenwettbewerb, den das Hamburger Büro Gerkan, Marg und Partner gewann. Nach ihren Plänen sollen auf dem Parkplatz vor dem AVZ (=A1-A4) ein Hörsaalgebäude, auf der Wiese gegenüber am Uhlhornsweg (wo jetzt die Baustelle ist) ein 7-geschössiges Hotel mit einer 4-geschössigen Ladenzeile und zwischen Milchwirtschaft und Bibliothek (entlang oder anstelle der jetzigen Pappelreihe) ein Verwaltungsgebäude gebaut werden. Der Sportplatz zwischen AVZ und "alter PH" wird mit zwei weiteren Gebäuden zugebaut. Sie werden die Bezeichnung A5 und A12 erhalten (für alle Neulinge, die sich über das Fehlen dieses Traktbezeichnungen gewundert haben).
Aktuell wurde das Thema wieder durch die Aufnahme in den 24. Hochschulrahmenplan, die die Finanzierung durch den Bund sichert. Er trägt die Hälfte der 24 Millionen, die für das Hörsaalzentrum veranschlagt sind. Die andere Hälfte muß das Land tragen. Da dieses zur Zeit keine Mittel bereitstellt, so die offizielle Begründung, möchte die Uni das Gebäude von einem privaten Investor vorfinanzieren lassen. Das Land soll das Zentrum schrittweise abkaufen, zahlt dabei jedoch eine große Summe an Zinsen auf eine Zeitdauer, die nicht abzusehen ist.
In engem Zusammenhang zum Hörsaal steht der Bau des Hotels mit Ladenzeile. Beide Bauwerke sollen nach Vorstellungen der Uni-Leitung von einem Investor finanziert werden.
Während das Hörsaalzentrum ohne baurechtliche Probleme gebaut werden könnte, ist für das Hotel mit Ladenzeile eine Bebauungsplan zu ändern. Daher lud die Stadt am 28.11. zu einer Bürgerversammlung in der Grundschule Haarentor ein. Diese fand ganz im Sinne des Paragraphen 3 Abs. 1 des BauGesetzbuches statt. Darin heißt es: "Die Bürger sind möglichst frühzeitig über die allgemeinen Ziele und Zwecke der Planung (...) öffentlich zu unterrichten; ihnen ist Gelegenheit zur Äußerung und Erörterung zu geben. (...)" Unterrichtet wurden sie von Frau Uhlhorn-Böltz (Abteilungsleiterin Bauleitplanung) und Herrn Lisiecki (Amtsleiter des Stadtplanungsamt). Doch war es keineswegs Ziel der Stadtverwaltung, gemeinsam mit der ortsansässigen Bevölkerung Lösungen zu finden, wie es sich eine Teilneherin gewünscht hätte. Es wurde nicht einmal eine Redeliste geführt, die bei Diskussionen und Sitzungen üblich ist. Das Ergebnis war, daß sich manche bis 15 Minuten meldeten, um andere ausreden zu lassen, während die anderen einfach ihre Stimme erhoben. Solche Situationen führen leicht zu Unmut und Ärger untereinander. War das im Sinne der Stadt, um den Widerstand zu zerstreuen und ihre Vorstellungen leichter durchzudrücken ? Dafür spricht eine Äußerung von Herrn Lisiecki, der Herrn Harms von der Initiative Verkehrsberuhigter Artillerieweg darauf hinwies, da sogar aus seinen eigenen Reihen Kritik käme. Auch würgte er die unangenehmen Ideen der Initiative zur Verkehrsberuhigung ab: "Herr Harms, es ist natürlich klar, daß sie diese Gelegenheit wieder mal nutzen, ihre Vorstellungen publik zu machen." Es gehe, so Herr lisiecki, nur um die kleine Briefmarke Hotel-Ladenzeile. Dieses entspreche genau der Politik der Stadt, bemerkte ein Teilnehmer. Über den Flickenteppich von Einzellösungen geht der \ffentlichkeit der Gesamtzusammenhang verloren. So stellt sich die Frage, ob die Verlegung des Radweges an der Ecke Uhlhornsweg/Ammerländer wirklich nur der Sicherung des Fahrradverkehrs dient, wie im Bau- und Planungsausschuß am 26.4 behauptet, oder dadurch Platz für das Hotel geschaffen wird.
Daß die Pläne, das Hotel zu bauen, nicht isoliert betrachtet werden können, machten die Argumente der Anwohner deutlich. Diese befürchten eine Zunahme der zugeparkten Gehwege, wenn das Hörsaalzentrum auf dem Parkplatz errichtet wird. Nach der ursprünglichen Planung sollen unter dem Hörsaalzentrum eine Tiefgarage gebaut werden. Gleiches gilt für die Parkplätze des Hotels, das vor allem für die autofahrende wissenschaftliche Prominenz gedacht ist. Allerdings bringen Tiefgaragen in der Nähe zur Haarenniederung ein technisches Problem mit sich. Als vor wenigen Jahren die als Studentenwohnheim deklarierte Wohnsiedlung an der Bahnlinie im Ariweg gebaut wurde, sollte ebenfalls eine Tiefgarage ausgehoben werden. Das Gebiet war jedoch so feucht, daß es voll Wasser lief. Selbst nach monatelangem Pumpen konnten die Probleme nicht beseitigt werden, weswegen nur ein Parkplatz mit (oder mit ohne) Schranke angelegt wurde.
Nach dem Bau des Hörsaalzentrums, in dem große Veranstaltungen laufen werden, wird sich der Studienbetrieb stärker als bisher auf den Uhlhornsweg konzentrieren. Dieses hat zusätzliche Verkehrsbelastung in Uhlhorns-, Ariweg und anderen Straßen zur Folge. Ähnliches gilt für das Hotel, mit seinen geplanten 150 Betten. Zwar würden die Gäste hauptsächlich über die Ammerländer Hin- und Herstraße anreisen, so beteuert die Stadt, doch werden ortskundige diese Straße eher meiden und auf Wohngebiete ausweichen, kontert die Ini Ariweg.
Verkehrsvermeidung verspricht die Uni-Leitung hingegen durch die Ladenzeile (von Fierks 1992). Herr Kleinloh sagte auf der Bürgerversammlung, die Läden seien für Studis gedacht, die dann alles, was sie benötigen, in der Nähe der Universität bekommen könnten. Den Einwand, als Studi wären doch bereits jetzt alle Bedürfnisse zu decken, beantwortete er mit dem Argument der Überfüllung im Mensa-Foyer. Sogar die Cafeteria müsse dringend ausgelagert und ausgebaut werden. Diese verkürzt aber bereits die \ffnungszeiten mangels Nachfrage, entgegnete ein Teilnehmer. Später gab Herr Kleinloh, entgegen seiner vorherigen Aussage, zu, die Ladenzeile sei, wie viele befürchtet hatten, auch für die Versorgung des ganzen Viertels interessant.
Eine Steigerung des Autoverkehrs ist auch problematisch für Radfahrende, die aus allen Richtungen kommen und sich im Uhlhornsweg sammeln. Eine sichere Zuwegung kann nur durch eine erhebliche Verkehrsverminderung erreicht werden.
Doch die Pläne des Architekten ließen diesen Punkt außer Acht. Um die Autos unterzubringen sollen die Parkplätze dezentral über das ganze Uni-Gelände verteilt werden. Das bedeutet, daß überall Fußgänger Straßen überqueren müssen. Schon in der jetzigen Situation gibt es starke Probleme, wie der Unfall Mitte November zeigt, bei dem eine junge Frau schwer verletzt wurde. Gefördert würden die Unfälle durch Tiefgaragen, aus denen Autos schnell herausfahren müssen, um die Rampe zu bewältigen, gab jemand zu bedenken.
Die geplante hohe Baudichte des Umgeländes steigert nicht nur das Gefahrenpotential, es fordert auch erhebliche Opfer im Umweltschutz. Es wurden neben den Bäumen am Uhlhornsweg auch die biologischen Ausgleichsflächen zerstört. Sie wurden vor 8 Jahren von Projektgruppen angelegt und entwickelten sich zu schützenswerten Biotopen, die sogar NWZ-preisgekrönt sind (das soll was heißen!, d.S.).
Auch die Zusicherung der Uni-Leitung gegenüber einer Vertreterin des ehem. Projekt 19 "\kologische Umgestaltung der Uni", die Fläche in unmittelbarer Nähe der Baustelle ausreichend abzusichern, darf nicht über die Zerstörung hinwegtäuschen.
Natürlich wird das Hörsaalzentrum auch seine Auswirkungen auf die Studienbedingungen haben. Zwar ist eine Hochschulerweiterung angesichts der katastrophalen Überfüllung von Lehrveranstaltungen dringend erforderlich, doch geht die Planung in die falsche Richtung. Wichtig wäre, weitere Lehrende einzustellen und das Angebot an kleinen Räumen zu erhöhen. Doch im Hörsaalzentrum sollen sechs ebenerdige Seminarräume für 60 Personen und einer für 200 Personen eingerichtet werden. Die Hörsäle sind aufsteigend gebaut, einer für 200, der andere für 400 Personen. Für Großveranstaltungen können beide zusammengelegt werden.
Selbstbestimmtes Lernen in Kleingruppen wird so nicht mehr möglich sein, was eine Vereinzelung der Studis zur Folge haben wird. Schon jetzt gibt es unter ihnen starke psychologische Krisen, die mit auf die Studiensituation zurückzuführen sind.
Angesichts der starken Auswirkungen auf den studentischen Alltag ist es nicht nachvollziehbar, weshalb der AStA keine VertreterInnen zur Bürgerversammlung entsandte, obwohl er von uns über den Termin informiert wurde.
Die Veranstaltung bot die Chance, über die Problematik von Verker und Hochschulausbau aus Anwohnersicht zu erfahren. Das \ko- Referat, das vor knapp drei Jahren mit der Aktion "Leben auf dem Uhlhornsweg" die Schließung dieser und anderer Straßen forderte, hatte die gleichen Ziele wie die Ini Ariweg heute. Hier wäre es durchaus angebracht, sich einmal an einen Tisch zu setzen.
Zur Zeit sieht es danach aus, als könne die Universität ihr Prestigeobjekt "Kongreßzentrum" bald verwirklichen, obwohl kaum Gelder vorhanden sind. Es wäre durchaus sinnvoll, nicht-nur-studentische Arbeitsgruppen zu bilden, um sich über die Folgen klarzuwerden.
Der Bebauungsplan wird voraussichtlich anfang nächsten Jahres wieder beraten werden. In der Zwischenzeit wird die Universität versuchen, die Finanzierung zu sichern.
muh