Oldenburger STACHEL Nr. 12/94

Alle Welt redet vom Gasbus!

Wir auch. Wir fragen uns nämlich, ob er wirklich so ein umweltfreundliches Verkehrsmittel ist, wie uns die VWG und die EWE weismachen wollen.

Der Gasbus ist ein normaler Omnibus, der jedoch statt mit Diesel mit Erdgas angetrieben wird. Gerühmt wird der fast schadstofffreie Ausstoß, der durch die Beschaffenheit des Erdgases zustandekommt. Kein Dieselruß, kein Gestank, das klingt doch toll, oder?

Ja, aber für welchen Preis? Damit sind nicht nur die Umrüstungskosten für den Bus gemeint, den die VWG mit 70.000 DM etwas zu hoch ansetzt. Schließlich handelt es sich um ein ganz gewöhnliches Fahrzeug, lediglich Einspritzpumpe, Leitungen und der Gastank müssen zusätzlich eingebaut werden. Nein, es entstehen an anderer Stelle Kosten, die nicht so offensichtlich, aber trotzdem nahezu irrsinnig sind: Um den Bus mit der benötigten Menge Gas fahren zu lassen, muß das Erdgas, welches mit geringem Druck aus der Erdgasleitung kommt, auf einige hundert Bar Druck gebracht werden. Nur so ist es möglich, die notwendige Menge Gas in einem angemessen großen Tank unterzubringen.

Zu diesem Zweck ist an der Tankstation des Gasbusses ein Kompressor nötig, der diesen Druck erzeugen kann. Dieser Kompressor braucht für eine Tankfüllung nahezu die ganze Nacht, damit der Bus am nächsten Tag wieder fahren kann. Darüberhinaus kommt der Kompressor nicht mit 220 Volt aus, er hängt direkt an der Starkstromleitung. Aus zuverlässiger Quelle war zu erfahren, daß die Kompression des Gases ungefähr genauso viel Energie verbraucht wie der Bus. Das heißt, der Gasbus benötigt die doppelte Energie von einem Dieselbus!

Die geringe Schadstoffbelastung ist damit auch nur verschoben worden, denn für die Herstellung des Kompressorstroms laufen AKWs und Kohlekraftwerke. Darüberhinaus ist auch die Verbrennung von Erdgas nur ein Verbrauchen von nichterneuerbaren Energiequellen und somit kein Ausweg aus der Misere.

Wenn das wahr ist, warum wird dann der Gasbus gefördert? Weil es bestimmten Unternehmen sehr recht ist, wenn die Treibstoffkosten und der benötigte Strom von ihnen bezogen werden und nicht von den Mineralölfirmen. Da die Energiekonzerne nicht am Energiesparen, sondern am Energieverbrauch verdienen (und mit ihnen die Gemeinden durch die Konzessionsabgabe, d. Tipper), ist der Gasbus eine perfekte Möglichkeit, ein doppeltes Geschäft zu machen.

Der Effekt ist also Mehrverbrauch unter dem Mantel des Umweltschutzes. Raffiniert, das muß man zugeben. Aber wir hoffen, daß vernünftige Menschen sich so etwas nicht gefallen lassen. Es läge auch im Interessen der zuständigen Stellen, Förderungsmittel nicht in solch ein unsinniges Projekt zu stecken.

Darum fordern wir: -Beendet dieses Experiment.

-Stoppt die Verschwendung von Fördermitteln und Energie, um kurzsichtige Vorzeigelösungen zu unterstützen.

-Sucht Lösungen im Bereich regenerativer Energien und vor allem vernünftiger Verkehrsauslastungsplanung, statt mit Scheinlösungen wirklicher Weiterentwicklung die Mittel zu entziehen!

holgerundco


Diese Veröffentlichung unterliegt dem Impressum des Oldenburger Stachel. Differenzen zur gedruckten Fassung sind nicht auszuschließen. Vervielfältigung bitte nur mit Quellenangabe, Belegexemplar erbeten.