Oldenburger STACHEL Nr. 11/94

Kein Atommüll! Stop Castor!

Der Widerstand gegen die geplante Einlagerung des ersten Castorbehälters mit hochradioaktiv em Atommüll im "Zwischen"lager Gorleben läuft auf Hochtouren.

Über 3 000 Menschen aus Lüchow-Dannenberg haben in Zeitungsanzeigen erklärt:"Wenn der Castor kommt, stellen wir uns quer!" Tausende aus dem ganzen Bundesgebiet haben in Gorleben demonstriert und das Hüttendorf "Castornix" errichtet. Aufgrund des breiten Widerstandes konnte der Castor-Transport seit Juli verhindert werden.

Doch am 26.10.94 wies Bundesumweltminister Töpfer die niedersächsische Umweltministerin Griefahn an, den Transport nach Gorleben innerhalb von zwei Wochen zu genehmigen. Frau Griefahn scheint vorzuhaben, dieser Weisung fristgemäß nachzukommen. Danach braucht die Polizei - nach eigenen Angaben - noch einmal zwei Wochen, um die Durchführung des Transportes zu organisieren (Der Polizeieinsatz soll mit 17.000 PolizistInnen übrigens einer der größten der Bundestrepubli k werden). Ende November wird es also Ernst.

Das Widerstandskonzept

Grundidee des Widerstandkonzeptes ist es, schon vorher aktiv zu werden und den Castor politisch undurchsetzbar zu machen.

Bisher gilt die Erfahrung: Wenn die Menschen auf die Straße gehen, wird Griefahn erfinderisch und der Transport verschoben. Eine Möglichkeit, den Castor zu stoppen, wäre auch eine einstweilige Verfügung des Verwaltungsgerichtes Lüneburg zur Unterlassung des Transportes, weil erst im Januar 95 gerichtlich entschieden wird, ob in Gorleben überhaupt hochradioaktiver Müll gelagert werden darf. Und da am 31.12.94 die Transportgenehmigung für den Castor ausläuft, hat der Widerstand durchaus Chancen.

Die vier Phasen des Widerstandskonzeptes sind:

1. "Unruhe im Wendland und anderswo" - seit Töpfers Weisung werden wieder Plakate geklebt, Menschen informiert, Aktionen durchgeführt.

2. "Wir machen das Wendland dicht" - am Samstag, den 5.9.94, wurden alle Zufahrtsstraßen zum Wendland dicht gemacht. Auch in Oldenburg gab es eine Aktion.

3. "Den Castor stoppen, bevor er losfährt" - schon ein paar Tage, bevor der Castor in Philippsburg (nicht) losfährt, werden die Menschen in Gorleben auf der Straße sein. Im Juli wurde dadurch die Castoreinlagerung verhindert.

4. "Tag X - Wir stellen uns quer!"

Tag X ist der Tag, an dem der Castor in Philippsburg losfährt. Entlang der Transportstrecke wird es viele Aktionen geben, und Tausende werden vor dem Atommüll- "Zwischen"lager in Gorleben sein. Auch OldenburgerInnen werden da sein.

Wer keine Zeit hat, ins Wendland zu fahren, sich aber trotzdem beteiligen will, sollte sich am Tag X um 17 Uhr mit einer Kerze vor dem EWE-Büro am Julius-Mosen-Platz einfinden. Die EWE liegt mit 70% Atomstrom im Netz 100% über dem Bundesdurchschnitt. Auch der hochradioaktive Atommüll aus dem Atomreaktor Esenshamm/Unterweser (30 km Luftlinie von hier), der den Strom für Oldenburg liefert, soll später ins "Zwischen"lager nach Gorleben. Man weiß also, wo man ihn die nächsten 100.000 Jahre sicher lagern kann (die Altsteinzeit ist gerade mal 10.000 Jahre her).

Informationen: OlgA (OldenburgerInnen gegen Atomkraft), Tel. 0441/777309

Michael Frier ich


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