Hochaktuell und für Oldenburg sehr bedeutsam, aber kaum in der öffentlichen Diskussion, ist das als "Oldenburger Stern" unbekannte Bauprojekt der Stadtverwaltung, da in den nächsten Jahren die Bahnhofsgegend völlig umgestalten soll. Neu sind derartige Ideen bekanntlich nicht, schließlich wird seit über zwei Jahren in den Stadtratsgremien darüber beraten. Dennoch scheinen alle Diskussionen der letzten Jahren mit einem Schlag vom Tisch zu sein, dem am 18.1. stellte die Stadtverwaltung ein neues Konzept vor.
#zwüGrößtes Bauprojekt der letzten Zeit Dieses sieht vor, auch auf der Nordseite de sBahnhofs, wo jetzt Gleise zum Lokschuppen und Fabrikhallen sind, einen zweiten Bahnhofsvorplatz anzulegen. Ein Durchgang durch den Bahnhof soll den neuen mit dem alten Vorplatz verbinden. Der alte wird umgestaltet und mit einer Fahrradstation für 500 Räder, einem Kurzzeitparkplatz und zwei Bushaltestellen ausgestattet.
Auf der Nordseite des Bahnhofs soll der Zentrale Ommibusbahnhof (ZOB) entstehen, den alle Regional- und Stadtbuss anfahren sollen. Neben einer Fahrradstation mit 750 Plätzen soll ein Kurzzeitparkplatz für 30 Autos und ein Parkhaus für 350 Autos gebaut werden. Erreichbar würden ZOB und Parkhaus durch eine Verbindung der Karlstraße mit der Straßburger STraße und durch den Bau eines Tunnels, der die Straßburger mit der Güterstraße verbinden soll. Welche Art von Bauwerken nördlich des neuen Vorplatzes gebaut werden sollen, wurde der \ffentlichkeit bisher noch nicht vorgestellt.
Sie wurde bislang ohnehin noch nicht in die Diskussion einbezogen, obwohl die Zeit drängt. Die Gesamtkosten von 55 Millionen DM sollen nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungs gesetz (GVFG) zu 70 % vom Land finanziert werden. Diese Geldquelle wird jedoch 1996 versiegen, weil die Mittel dann in die Expo 2000 fließen werden. Eine letzte Chance für die Stadt, sich eine neue Nord-Süd-Achse und ein Parkhaus vom Land finanzieren zu lassen.
#zwü"City-Parkhaus" als \PNV-Projekt? Gegen diese beiden Bauwerke richtet sich die Hauptkritik. Die Notwendigkeit, wegen der Reisenden ein Parkhaus zu bauen, bezweifelte der Arbeitskreis Stadtentwicklung auf einer Anhörung der SPD am 12. Juli. Er sieht darin mehr ein Ersatzparkhaus für die Innenstadt, das weiteren Autoverkehr induziert.
Die Stadtverwaltung und andere geladene Referenten argumentieren vehement für den Bau, weil sie sich offenbar nicht vorstellen können, von außerhalb an den Stadtrand zu fahren, das Auto dort stehen zu lassen und den Bus zum Bahnhof zu nehmen.
#zwüStadt: Dem größten Stau begegne ich mit Straßenbau! Den größten Kostenanteil soll die Untertunnelung für Autos, Radfahrer, und Fußgänger schlucken. Jürgen Rohde vom ADFC zeigte sich auf der Anhörung überzeugt, daß das Angebot, den Pferdemarkt zu umfahren, nicht nur von AutofahrerInnen angenommen würde, die zum Bahnhof wollen, sondern auch von vielen anderen, die von Donnerschwee zum Hafen fahren.
Selbst Stadtbaurat Schutte sieht im Tunnel ein Durchbrechen eines Keils, der den Nordteil vom Südteil der Stadt trennt, mag aber nicht sagen, wie groß der durch den Tunnel herbeigelockte Verkehr wirklich sein würde. Wahrscheinlich werden es viel mehr sein als die am 19.1. in der Lokalpresse genannten 5000 KFZ pro Tag, die auch schon eine Menge sind, wenn man sich andere Straßen mit ähnlichem Aufkommen ansieht. (Zum Vergleich: durch den Artillerieweg und Schützenweg fahren jeweils 6000, Elsäßer 5000, Sodenstich 4000 KFZ/Tag).
Ein weiterer Ausbau der neuen Straße, so wird von Herrn Schutte verschwiegen, dürfte wegen der steigenden Autofrequenz vorprogrammiert sein.
Genau dies ist zum Beispiel an der Ecke Karl-/Donnerschweerstraße nötig, damit die Bu sse einbiegen können. In Kürze wird es an der Ecke ohnehin zu einem Umbau kommen, antwortete Herr Schutte auf die Frage des \TV-Vertreters. Die Donnerschweerstraße wird zwischen Pferdemarkt und Schäferstraße begrasdigt werden, wenn Gelder dafür vorhanden sind. Gleichzeitig würde die Karlstraße eine neue Einmündung bekommen.
#zwüWarum ZOB nicht auf die Südseite? In der Anhörung auf wenig Interesse stießen alternative Vorschläge der Jusos. Sie würden den ZOB gerne südlich des Bahnhofs ansiedeln und auf das Parkhaus und die Untertunnelung verzichten. Die Bussen würden durch die Moslestraße den ZOB ansteuern, was insgesamt einen kürzeren Umweg für die Busse bedeuten würde als in den Plänen der Stadt, worin nur die drei Linien aus Donnerschwee einen erheblichen Zeitgewinn hätten.
Der Arbeitskreis Stadtentwicklung schlägt vor, den Platz für Park&Rail-Plätze in den ZOB einzubeziehen und dafür Reisenden Teile des Post-Parkhauses zu öffnen. Die eingesparten Gelder könnten für weitere \PVN- maßnahmen, wie Vorortbahnhöfe, Busspuren etc. eingesetzt werden.
#zw+Offene Auseinandersetzung mit Alternativen fehlt Die Vertreter des Handels, der Gewerkschaft und der Verkehrsbetriebe brachten kaum Anregungen und Kritik in die Diskussion. Sie hielten sich an die Pläne der Stadtverwaltung, wobei sie nicht den Anschein erweckten, als hätten sie sich ernsthaft mit verschiedenen Plänen auseinandergesetzt und sie gegeneinander abgewogen, woran das auch immer gelegen haben mag.
#zwüStadt will Hauruckverfahren Ähnliches gilt auch für den Stadtrat. Dort werden vorsichtshalber schon einmal die Förderungsgelder aus Hannover angefordert, bevor eine thematische Auseinandersetzung im Rat erfolgt ist.
Zum Thema Oldenburger Stern gibt es eine Menge Diskussionsstoff, im Rat, in den Ausschüssen und vor allem in der \ffentlichkeit. Diese soll ihre Bürgerversammlung bekommen. Dennoch sollten sich die Oldenburger Umweltverbände mit dem Thema auseinandersetzen und Veranstaltungen dazu anbieten, denn noch ist Zeit dazu, mitzumischen, wenn auch nur sehr wenig.
muh