Oldenburger STACHEL Nr. 9/94

Viver é Resistir - Die Kette der Gewalt aufbrechen

21. Dreijahreskonferenz der War Resisters' International im Dezember 1994 in Brasilien

Im Dezember diesen Jahres wird die 21. Dreijahreskonferenz der War Resisters' International (WRI) in Sao Leopoldo im Süden Brasiliens stattfinden. Als Ver-treter der Föderation Gewaltfreier Aktionsgruppen (FöGA) wird Andreas Speck von der Graswur-zelgruppe Oldenburg an dieser Konferenz teilnehmen. Für den Stachel ein Anlaß, die mehr als 70 Jahre alte, aber dennoch in Deutschland nahezu unbekannte Internationale der Gewaltfreiheit kurz vorzustellen (und zu Spen-den aufzurufen).

WRI - Internationale der Gewaltfreiheit

Gegründet wurde die WRI, deren Name mit ,Internationale der KriegsdienstgegnerInnen" nur unvollständig ins Deutsche übersetzt ist, bereits 1921 in den Niederlanden. In der dabei verabschiedeten Grundsatzerklärung der WRI heißt es: ,Krieg ist ein Verbrechen gegen die Menschheit. Wir sind daher entschlossen, keine Art von Krieg zu unterstützen und für die Beseitigung aller seiner Ursachen zu kämp-fen."Die WRI entwickelte vor dem Hintergrund der Erfahrungen des 1. Weltkrieges einen ,aktiven Pazifismus", der sich gegen jede Form von Krieg wandte, sich aber auch vom ,bürgerlichen Vorkriegspazifismus" mit seinen Appellen an Regierungen deutlich abgrenzte. In den mittlerweile über 70 Jahren ihres Bestehens hat die WRI ein sehr weites Verständnis des Widerstandes gegen Krieg entwickelt. ,Die WRI ist in erster Linie eine Freiheitsbewegung", heißt es in einer Erklärung von 1968. ,Wir arbeiten für das Recht der Menschen auf Freiheit: die Freiheit, ohne Hunger, Krieg und Seuchen zu leben; die Freiheit, ohne wirtschaftliche, gesellschaft-liche, rassistische und kulturelle Ausbeutung zu leben; die Freiheit des Individuums, sich zu entfalten und seine Anlagen als schöp-ferisches Wesen voll zu entwickeln; die Freiheit, soziale Fähigkeiten zu entwickeln, Fähigkeiten, die so oft durch autoritäre Strukturen entstellt und in ihrer Entwicklung gehemmt worden sind und die Freiheit, die Menschen befähigt in Gemeinschaften zu leben und sich über Egoismus zu erheben."

Dieses Selbstverständnis der WRI macht aus ihr mehr als nur eine antimilitaristische Organisation. Traditionell zwar eher von den Friedensbewegungen Westeuropas und der USA geprägt, bemüht sich die WRI in den letzten Jahren verstärkt, eine wirklich interna-tionale Organisation zu werden und die Zusammenarbeit mit gewaltfreien Bewegungen vor allem in Asien, Afrika und Lateinamerika zu stärken.Ende 1992 hat die WRI unter dem Titel Women Overcoming Violence - Frauen überwinden Gewalt - eine internationale Frauenkonferenz in Bangkok veranstaltet. Auf dieser Konferenz, an der 170 Frauen aus 63 Ländern teilgenommen haben, ging es um Gewalt gegen Frauen, Militarismus und Sexismus, Sextourismus etc... und gewaltfreie Gegenwehr von Frauen gegen diese Formen der Männergewalt.

Leben ist Widerstand - Die Kette der Gewalt aufbre-chen

Der Titel der Dreijahreskonferenz betont bewußt die ,Kette der Gewalt", eine Kette, die die alltägliche Erfahrung von Gewalt mit den Strukturen verbindet, die letztendlich zu Krieg und Zerstörung führen. Gewalt wird hier bewußt weiter gefaßt und nicht auf direkte (militärische) Gewalt beschränkt. Im Aufruf zur Dreijahreskonferenz heißt es: ,Alltägliche Gewalt in den Straßen und zu Hause. Manchmal ist es direkte Gewalt; manchmal eine allgegenwärtige Bedrohung; manchmal ist es Armut oder eine zerstörte und vergiftete Umwelt; manchmal die Vorent-haltung von Rechten oder Formen der Sklave-rei; manchmal die Gewalt von Bildern des Hasses, Bildern, die Menschen auf Objekte reduzieren. Immer ist es die Gewalt von Menschen, die von den Entscheidungen, die ihr Leben betreffen, ausgeschlossen sind.Hinter dieser alltäglichen Erfahrung von Gewalt stehen Strukturen und Institutionen. Einige sind greifbar - das Militär und die Maschinerie des Staates, oder von Banken und Konzernen; andere durchdringend - das Patriarchat, die Konsumgesellschaft. Die Gewalt des alltäglichen Lebens wird häufig am schärfsten im Süden erfahren, aber folgt man den Gliedern der Kette der Gewalt, kann ihren Wurzeln oft bis zurück in den Norden gefolgt werden."Die Diskussionen auf der Dreijahreskonferenz drehen sich um gewaltfreie Ansätze an jedem Glied der ,Kette der Gewalt". Themen der Konferenz sind z.B.:

* Frauen gegen Militarismus und Gewalt;* Interkultureller Austausch zum gewalt-freien Training;* Wehrpflicht und Kriegsdienstverweige-rung;* Übergang zur Demokratie;* Rassismus, Nationalismus, ethnische Konflikte und indigene Völker;* Alltagsgewalt: Soziale und städtische Un-Sicherheit;* Alternativen zu Waffen: direkte gewalt-freie Interventionen und Soziale Verteidi-gung;* Militarisierung und Umwelt;* Strategien für eine gerechte Wirtschaft* Die Vereinten Nationen - können sie mehr sein als ein Club der Sieger?

Spenden erforderlich

Die Teilnahmekosten an der Konferenz summieren sich inklusive Flug auf ca. DM 3.000,-. Diese Kosten können weder von der FöGA als einem kleinen Netzwerk gewaltfreier Aktionsgruppen noch von der Graswurzelgrup-pe Oldenburg allein aufgebracht werden. Spenden zur Finanzierung der Reisekosten sind daher dringend erforderlich.Steuerlich absetzbare Spenden sind möglich auf das Konto: Fördergemeinschaft Frie-densarbeit und Gewaltlosigkeit e.V. (FÖGE), Konto-Nr. 71 258, Stadtsparkasse Kassel (BLZ 520 501 51), Stichwort: WRI-Konferenz (für Andreas).

Informationen:WRI-AG der Föderation Gewaltfreier Aktions-gruppenc/o Andreas SpeckBrahmweg 178D-26135 OldenburgTel.: 0441/203864Fax: 0441/204126

War Resisters' International5 Caledonian RoadLondon N1 9DXEnglandTel.: 0044 71 278-4040Fax: 0044 71 278-0444

Die Graswurzelgruppe Oldenburg (bekannter unter dem alten Namen AK Teststrecke) trifft sich jeden 3. Donnerstag im Monat im Cafe am Damm. Dazwischen treffen wir uns wöchentlich privat. Mit der Umbe-nennung in Graswurzelgruppe ha-ben wir der Entwicklung unserer politischen Theorie und Praxis Rechnung getragen. Zur Zeit arbei-ten wir an der Vorbereitung einer Veranstaltungsreihe zum Thema Gewaltfreiheit/gewaltfreie Politik, die für den Januar/Februar geplant ist. Außerdem sind wir an der Ko-ordination der Aktionen gegen die CASTOR-Transporte nach Gorle-ben beteiligt, sowie an vielen ande-ren Aktionen. Von besonderer Be-deutung ist auch die Vernetzung in-nerhalb der Föderation Gewaltfreier Aktionsgruppen (FöGA) und der War Resisters' International. Neue Leute sind bei uns immer will-kommen.

Infos:

Graswurzelgruppe Oldenburg

Groninger Straße 28

26129 Oldenburg

Tel.: 0441/777309


Diese Veröffentlichung unterliegt dem Impressum des Oldenburger Stachel.