"Die Studierenden der Universität Oldenburg haben das Angebot der Verkehrsbetriebe für ein Studiticket über 98 DM abgelehnt und den ASTA zu weiteren Verhandlungen mit dem Ziel, den Preis zu senken, aufgefordert. Dies ist das Ergebnis einer Urabstimmung, die vom 24. - 27 Mai an der Oldenburger Uni stattfand. Dabei wurden den Studierenden drei Alternativen zur Abstimmung vorgelegt. 1. Die Einführung des Semestertickets zum Preis von 98 DM pro Semester (bisheriger Verhandlungsstand) zum Wintersemester 1994/95. 2. Eine Aufforderung zum Fortführen der Verhandlungen durch den ASTA mit dem Ziel, einen Preis für das Ticket um 55 DM zu erreichen und 3. Das Semesterticket ganz abzulehnen.
Das Ergebnis zur Frage 1 war eindeutig. Nur 355 Studierende (8,6%) stimmten einer sofortigen Einführung zum Preis von 98 DM zu, dagegen lehnten 3579 Studis (86,6 %) dieses Angebot ab. Bei den Fragen zwei und drei war es wesentlich knapper. So stimmten bei Frage 2 - weiterverhandeln - 2170 Studierende (52,5%) dafür, und bei Frage 3 sprachen sich 1642 Studierende (39,7%) gegen die Einführung eines Semestertickets in Oldenburg aus.
Das klare Ergebnis bei Frage 1, d.h. die klare Ablehnung des bestehenden Angebots der Verkehrsbetriebe in Höhe von 98 DM hatten wir erwartet. Die deutlich überzogenen Preisforderungen der Verkehrsbetriebe wurden von den Studieren nicht akzeptiert. Diese Linie vertritt auch die Semesterticket AG, die sich stets gegen den - aus ihrer Sicht zu hohen - Preis ausgesprochen hat. Den Verkehrsbetrieben, die bisher immer behauptet haben, ihr Angebot würde von den Studis akzeptiert, muß jetzt klar sein, daß sie mit ihren Forderungen runtergehen müssen, wenn ein Semesterticket in Oldenburg eingeführt werden soll. Daß die Verkehrsbetriebe (VWG, Bahn) sich geweigert haben, auf der Vollversammlung am 17. Mai ihr Angebot zu erläutern und sich der Diskussion zu stellen, spricht für sich und zeigt, daß sie keine Argumente für diesen hohen Preis haben.
Wesentlich schwieriger sieht es bei Frage 2 und 3 aus. Die Aufforderung an den ASTA weiterzuverhandeln, fiel mit 52.5% denkbar knapp aus. Die Semesterticket AG hatte mit mehr Stimmen gerechnet (ca. 60%), so daß die Legitimationsbasis zum Weiterverhandeln sehr dünn ist. Dennoch wird weiterverhandelt werden mit dem Ziel, einen Preis um 55 DM auszuhandeln. Sollte dies gelingen, wird es auf jeden Fall eine neue Urabstimmung geben, da die o.g. knappe Mehrheit nicht ausreicht, ein Semesterticket einzuführen. Lediglich bei einer Zustimmung von einer 2/3 mehrheit zu Frage 2 hätte das Ticket so eingeführt werden können.
Mit sehr unterschiedlichen, meist überraschten, Reaktionen wurde der sehr hohe Anteil derer, die das Studiticket prinzipiell in Oldenburg ablehnen, aufgenommen. Mögliche Gründe können sein, daß dieses Studis das Ticket nicht nutzen würden, weil die Businfrastruktur in Oldenburg und in der Region so miserabel ist oder weil sie eh nur mit dem Fahrrad fahren und Bus und Bahn nicht oder nur sehr selten benutzen. Diese Leute sehen keinen individuellen Nutzen für sich und sind auch nicht bereit, einen Solidarbeitrag zu zahlen. So wird unter den Studierenden, die in Oldenburg wohnen (und von denen ca. 80% mit dem Fahrrad zur Uni fahren!), ein großer Teil sein, die sich prinzipiell gegen das Semesterticket aussprechen. Aber sicherlich auch die Auswärtigen, für die ein Umsteigen auf Bus und Bahn entweder gar nicht möglich oder viel zu umständlich (zeitraubend) ist. Die Tatsache, daß bei der Bahn die Benutzung der Interregios ausgenommen ist, macht das Ticket auch nicht gerade beliebter.
Es soll jetzt aber auf jeden Fall weiterverhandelt werden mit dem Ziel, einen Preis um 55 DM zu erzielen. Der Preis darf nicht zu hoch sein, damit auch Studierende, die das Ticket vielleicht nich so intensiv nutzen, zustimmen, die den Betrag dann als Soidarbeitrag sehen, der abernicht zu hoch sein darf. Durch die Einführung eines Semestertickets soll in Oldenburg der ÖPNV gefördert (nicht subventioniert!) werden und die Studierenden dazu angeregt werden, auch in ihrer Freizeit vom Auto auf den Umwelltverbund umzusteigen (Daß damit mehr Verkehr erzeugt wird, läßt sich nicht leugnen und ist nicht vermeidbar.). Klar sollte allerdings auch sein, daß man mit dem Semesterticket nicht das ganze Bussystem/Netz modifizieren kann. Dennoch wollen wir Linienverlegungen, z.B. Direktanbindung Bahnof-Uni erreichen.
Letztlich hofft die Semesterticket AG auf die Einführung einer Parkraumbewirtschaftung an der Uni, was sich sicherlich positiv auf eine erneute Abstimmung über das Semesterticket auswirken würde.
Stephan