Oldenburger STACHEL Nr. 237 / Ausgabe 9/02     Seite 3
 
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wechselStrom - Umstieg auf saubere Energie

Seit vier Jahren ist es nun Gesetz, und so langsam wird es Zeit, einmal private Konsequenzen daraus zu ziehen: Der Stromwechsel ist möglich! Die Liberalisierung des Strommarktes gestattet es, daß wir, die sogenannten Tarifkunden, den Strom bei Lieferanten unserer Wahl kaufen können. Das heißt, wir sind nicht länger gezwungen, unser Geld in Atommüllproduktion und Umweltzerstörung zu investieren.

Atomkraft regiert

Daß die EWE als hiesiger Monopolist kein Anbieter in diesem Sinne sein kann, beweist allein ihr Engagement in Atomenergie. Nicht ohne Stolz wurde uns jahrzentelang vorgerechnet, daß 70 Prozent der Elektrizität im EWE-Netz aus Atommeilern stammt. Nachweislich verursachen diese Kraftwerke unter Kindern erhöhte Leukämie und Krebs. Doch damit nicht genug: Der Konzern ist auch bekannt für seine aktiven Blockiermanöver gegen umweltfreundlichen Energiegewinnung und Energiesparen. Dazu mißbraucht er seinen besonderen politischen Einfluß auf die Regionalpolitik, denn seine Aktionäre sind die Landkreise und kreisfreien Städte zwischen Weser und Ems. Den unbedarften Provinzpolitikern, von denen die Aktionäre vertreten werden, redete die EWE jahrelang ein, daß Windenergie und ähnliche Konzepte technisch nicht machbar seien, sondern nur der romantischen Fantasie von Umweltschützern entsprängen. So wurde der Fortschritt erstickt - vielerorts dauert dies noch heute an.

Politik pariert

So offen wird heute zwar nicht mehr agiert, aber an der Geschäftspolitik hat sich wenig geändert. Das wird deutlich, wenn Erdgas neuerdings als Kraftstoff der Zukunft angepriesen wird, obwohl diese Energiequelle weder unversiegbar noch CO2-frei ist. Die Kraft-Wärme-Koppelung wird von der EWE verhindert, indem auf die Serienreife der Brennstoffzelle vertröstet wird. Damit sollen die Blockheizkraftwerke dann ausgerüstet werden. Aber diese Kraftwerke können mit allen möglichen Brennstoffen betrieben werden, eben auch mit nachwachsenden, während die Brennstoffzelle erst einmal auf Methanol, und das heißt: Erdgas, angewiesen ist. An diesen Beispielen wird klar, daß die EWE alle Konzepte verhinder will, bei denen sie keine Energie verkaufen kann.

Darum denkt er auch nicht daran, sein Werben für die verschwenderischen Elektroheizungen aufzugeben. Mit diesen Methoden wird dafür gesorgt, daß der Oldenburger Heizenergie-Verbrauch schön auf seinem verschwenderisch hohen Niveau von fast 50% über dem Bundesdurchschnitt verbleibt, ungeachtet der vorliegenden Machbarkeitsstudien für eine andere Verbrauchsstruktur. Stadt und EWE bilden hier eine Kumpanei, die hinter ökologischen Feigenblättern in Wahrheit den status quo begünstigt, und der lautet immer noch: Nicht aus dem Einsparen, sondern aus dem Mehrverbrauch werden die höchsten Gewinne gezogen. EWE buchstabiert sich denn auch als "Energie-Verschwendung Weser-Elbe".

Heute gehört EWE mit über 27% zu "Eon", dem größten deutschen Energiekonzern. Die Macht dieses Multis reicht locker hin, der Bundesregierung seine Bedingungen zu diktieren, siehe "Energiekonsens". Mit dieser Vereinbarung wird den Konzernen gesetzeshalber gestattet, ihre Reaktoren bis zum Anschlag ausbrennen zu lassen. Das heißt, die jetzige Bundesregierung hat nicht nur keinen Ausstieg vollbracht, sondern im Gegenteil dessen Verhinderung dekretiert, und mit ihrem Gerede vom Ausstiegsgesetz will sie den Umweltschutz für dumm verkaufen - eine nachhaltige Empfehlung zur Wiederwahl!

Täter boykottieren

Von den Wahlen dürfen wir also weder einen Atomausstieg noch eine Klimaschutzpolitik, die ihren Namen verdient, erhoffen. Warum dann nicht auf die viel beschworene Macht als VerbraucherInnen zurückgreifen und die Täter boykottieren? In Sachen Energie ist der Wechsel inzwischen leicht und unbürokratisch.

Wie das im Einzelnen geht, welche Alternativen zur Verfügung stehen, wie hoch die Mehrkosten liegen und andere Fragen, die sich dabei aufwerfen, das soll auf der Veranstaltung am 13. August im Gemeindehaus Peterstraße 27, Beginn 19.30 Uhr, geklärt werden. Dieser Informationsabend bereitet dann einen gemeinsamen, öffentlichen Umstieg von der EWE zu einem sauberen Stromversorger vor.

Ökologisch investieren

Dafür kommen etwa die Elektrizitätswerke Schönau in Frage. Ein kleines Dorf im Schwarzwald schüttelte die Herrschaft der Energiekonzerne ab: Das Stromnetz wurde kurzerhand aufgekauft und der Umstieg auf ökologische Energiequellen eingeleitet. Auch greenpeace energy ist ein solcher Anbieter, ebenso wie Naturstrom (nicht zu verwechseln mit Naturwatt, dem U-Boot der EWE im grünen Mäntelchen) und einige andere. Ihre Strommengen sind zwar im Vergleich mit den Konzernen noch gering, jedoch können sie bundesweit bezogen werden, da ihnen das Stromgesetz gestattet, die Netze der Konzerne zu benutzen. Die dafür aufzuwendende Gebühr erhöht natürlich die Kosten, doch dafür kann man sicher sein, kein Kuckucksei im Nest zu haben. Wer diesen Strom kauft, finanziert nur und ausschließlich naturverträgliche Energie und kann sich so persönlich aus der Atomkraft und der Klimaschädigung verabschieden.

Small is beautiful

Da diese Energiesysteme außer ökologischen Vorteilen einen dezentralen Charakter haben, kann man mit dem Umstieg ein Stück Konzernierung und Globalisierung der Gesellschaft abbauen und dafür eine dezentrale und kleinräumige Wirtschaftsweise unterstützen.

IMH

 

 
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